Danke für (fast) nichts.

nocashforthishunGestatten, Sinah. 23 Jahre. Mit 5 eingeschult worden. 5 Jahre Handelsakademie. Ein Jahr beim Wirtschaftsstudium in Salzburg verschissen. 3 Jahre Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, dieses Mal richtig. 2 Jahre währenddessen Vollzeit gearbeitet, meistens Praktika.

Jeden Sommer Ferialjobs. Meistens mehrere. Einigermaßen gutes Leben gehabt, viele tolle Menschen kennengelernt, immer mit Elan bei der Sache („Ganz oder gar nicht!“), immer motiviert. Jetzt stehe ich am Ende meines Studiums und frage mich, was das eigentlich alles soll. Familienbeihilfe gibt’s demnächst nicht mehr, weil mit Anfang 23 ist schließlich jeder normale Mensch mit dem Studium fertig, oder nicht. Naja, da hab ich dann wohl zu lange herumgetrödelt, hätte vielleicht doch ins Gymi weitergehen sollen, vielleicht doch nicht Wirtschaft in Salzburg oder halt durchziehen (aber da waren einfach zu viele Louis Vuitton-Taschen – und die waren ÜBERALL!), dann wäre ich jetzt mit 21 fertig, dann würd sich das mit dem Master und der Familienbeihilfe ausgehen, dann könnt‘ ich mit 23 anfangen, mich selbst zu erhalten, hätte überhaupt keine Probleme mehr, außer vielleicht bisserl Burn Out mit Anfang 30 aber das ist ja sowieso eine Krankheit, die nur Pussies haben und eingebildet dazu.

Wenn ich mit meiner Mama darüber rede (die während dem Studium gearbeitet und mich großgezogen hat – Bussi an dieser Stelle), schüttelt sie immer nur ungläubig den Kopf, schaut mich mitleidig an, sagt mir, dass alles gut wird. Tolle Mama eben. Aber ich mach‘ mir trotzdem Sorgen. Weil ich leider sehen muss, dass ausgelernte FrisörInnen mehr verdienen als manche Uni-AbsolventInnen mit Berufserfahrung. Und ich will da gar keine Berufe verunglimpfen, aber ich denke schon, dass Lernen eine ziemlich anstrengende Sache ist. Und dass ein Studium viel Geld kostet. Sehr, sehr viel Geld. Und nein, ich glaube, die „wirtschaftliche Gesamtsituation“ hat damit wenig zu tun. Auch meine Studienwahl nicht. Da breche ich auch die Lanze für ein oftmals unterschätztes Studium, weil’s ein tolles Studium ist und das auch trotz der zahllosen Suderanten, die oft nur in der Bib sitzen, um Insta-Fotos mit ihren STEOP-Büchern zu machen (nobody cares about you, „studying“). Aber gut, aller Anfang ist schwer. Nur… so sehr am Anfang steh‘ ich eigentlich gar nicht mehr.

Was mich jetzt im Nachhinein betrachtet aufregt, sind all die Unternehmen, die Leute Vollzeit für ein Arschloch-Drecks-Praktikumsgehalt arbeiten lassen und dann noch erwarten, dass man schön lächelt und Danke sagt. Ja, danke für nichts nämlich. Ein ORF, ein Standard – Unternehmen, die es sich sicherlich mehr als leisten können und auch noch darüber berichten, wie schlimm die Ausbeutung durch Praktika ist – zahlen um die 700 Euro für 40 Stunden. Und ich möchte aus Erfahrung sagen, dass das – bei den Medienpraktika – im Vergleich nicht wenig ist. Man lasse der Fantasie freien Lauf.

Es tut mir in der Seele weh wenn immer alles so lange Scheiße laufen muss, bis es wieder einmal richtig knallt. Praktika sind nämlich eigentlich eine tolle Erfahrung. Und ich würde es auch jedem empfehlen, sich den Traumjob einfach mal 3-6 Monate anzuschauen. Aber eben weil es nur 3-6 Monate sind sollte doch eine faire Bezahlung möglich sein. Von dem ein oder anderen Unternehmen würde ich nämlich schon ganz gerne wissen, warum meine Arbeit jetzt weniger wert war (ja, weiß schon, das ist sehr melodramatisch ausgedrückt – monetär gesehen ist es aber einfach eine Tatsache) als die der anderen. Und ich weiß auch nicht, inwiefern die Ausrede „Das Geld ist einfach nicht da“ zählt. Das lasse ich mir noch von Kleinunternehmen sagen, aber die größten Medienunternehmen des Landes? Wirklich, ihr habt alle kein Geld? Aber wer hat dieses Geld denn nun jetzt eigentlich?! Gruner + Jahr? Oder die Russen? Oder hat’s der Karl-Heinz versteckt? Also irgendwer hat’s bestimmt, da bin ich mir sicher.

„Ja, aber dafür hat man doch Eltern!“, das höre ich ganz oft. Ja, wofür hat man denn Eltern? Dafür, dass sie einen großziehen und nicht verrecken lassen, bevor man Verantwortung für das eigene Überleben tragen kann, meiner Meinung nach. Alles andere ist Bonus – und wer solche Eltern hat, hat echt Glück. Dieses Glück habe ich auch, Gott/Allah/Charlie sei Dank. Bin mir aber sicher, dass es nicht jeder Familie möglich ist, dem Kind ein Studium und Kenntniserwerb in Form von Gratisjobs zu finanzieren. Aber das mit den Praktika läuft so, wie’s eben mit allem läuft, das mehr oder weniger gratis ist – es ist nichts wert.

Arbeit zu Dumpingpreisen und alle machen mit: Erstens weil man wirklich Panik hat, keinen Job zu finden, wenn man es nicht tut und Zweitens weil man ja auch „irgendwas Cooles mit Medien“ machen will. Ich sag euch, so lustig ist das eigentlich gar nicht, wenn man 50-60 Stunden die Woche in Arbeit und Ausbildung investiert und sich dann mit 23 eingestehen muss, dass man eigentlich doch ganz gern ein bisschen mehr Zeit, ein bisschen mehr Luft gehabt hätte um sich überhaupt mal zu sortieren und zu checken, was man da eigentlich lernt. Eigentlich hatte ich mir das alles auch ganz anders vorgestellt. Strebernd bis Schluss in der Bib zu sitzen, das kam mir fast romantisch vor. In der Praxis kann ich es an einer Hand abzählen, wie oft ich in der Bib war. Das Schlimme ist, ich kann nicht mal sagen, dass ich es jetzt anders machen würde. Weil auch ich einer dieser Schisser bin, die sich nichts sagen trauen, wenn‘s um so ein heikles Thema wie Praktika und Kohle geht. Ich nicke da meistens und sage, mich äußerlich freuend: „Ja, 400 Euro sind super! Vielen, vielen Dank!!“. Großer Fehler, der auf meine Kosten geht und eigentlich auf Kosten aller jungen Menschen. Es gibt zwei Gründe, warum ich dann doch immer wieder solche Stellen angenommen habe: Erstens liebe ich es, zu arbeiten. Ja, wirklich. Da hat man weniger Zeit für Bullshit und dumme Jungs und mehr Zeit, um an den eigenen skills zu arbeiten (oder das, was unser Wirtschaftssystem eben als „skill“ bezeichnet) und herauszufinden, was einem taugt. Und Zweitens hatte ich wirklich immer Glück mit den KollegInnen und eine echt gute Zeit. Aber das rechtfertigt noch immer keine beschissene Bezahlung. Sorry, das musste jetzt einfach mal gesagt werden.

Ich hab’s jedenfalls verstanden: Junge Menschen sind kein Kanonenfutter. Sie sind motiviert, nicht vorbelastet, voller Erwartungen und ihr, die ihr da seit 1996 in eure ledernen Chefsesseln furzt und von großen Visionen, Teamgeist und Delegation redet und mit Wissen von eurem Wirtschaftsstudium aus den 70ern prahlt, ruiniert unsere Erwartungen an das Arbeitsleben. Wir sind nicht geldgeil, was vielleicht unser größter Nachteil ist. Wir wollen nur gute Arbeit leisten und uns dafür gelegentlich selber belohnen können, ohne dass uns beim Blick auf unser Konto schlecht wird. Oder uns halt irgendwie die Wohnung selber zahlen können. Ein Universitätsstudium ist nämlich kein kostenloses Extra, dass es oben drauf gibt. Zu Berufserfahrung, keinem Privatleben und absoluter Selbstaufgabe. FYI – Das volle Paket gibt’s nämlich erst ab 1000 Brutto.

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616 Gedanken zu “Danke für (fast) nichts.

  1. Ja das ist ein leidiges Thema und du hast auch schon die richtigen Punkte angesprochen an denen es liegt.

    1.
    Junge Absolventen haben Schiss mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen und ein vernünftiges Gehalt einzufordern. Ein Grund dafür ist natürlich dass man nach dem Studium auf keinen Fall arbeitslos sein möchte und daher nach jedem Strohhalm greift.
    Aber ich sage euch man kann, darf und soll mit der Faust auf den Tisch hauen. Wenn du beim Vorstellungsgespräch gut und vernünftig argumentierst kannst du für dich ein anständiges Gehalt raushandeln. Ich hatte das vor 4 Jahren in Berlin auch durch. Erster Job nach dem Studium (Praktikum), Gehalt wurde alle 2 Monate erhöht bis auf 1600 Brutto. Der Deal war: Wenn du die versprochenen Leistungen erfüllst gibts mehr Kohle. Die Vorgesetzten meinten nach dem Gespräch: „Sowas hat hier noch niemand eingefordert, finden wir echt mutig von dir“ 🙂

    Quintessenz: Stellt euch vor alle hätten den Mut sowas einzufordern – Was wird passieren? Genau, die Löhne werden steigen. Medienunternehmen haben genug zu tun und brauchen viele Mitarbeiter. Wenn sich aber 95% der Angestellten für Lau verkauft wird kein Unternehmen so nett sein und sagen: „Ach komm, wir zahlen dir trotzdem ein vernünftiges Gehalt“ 😉

    2.
    Was ebenfalls prekäre Beschäftigungsverhältnisse fördert sind Absolventen, die nicht genau wissen wohin die Reise gehen soll (aus beruflicher Sicht). Dass die unternehmerische Wertschätzung für diesen Personenkreis nicht sehr hoch ist liegt auf der Hand. Sie arbeiten nicht wirklich selbstständig und man kann sie nicht im Tagesgeschäft einsetzen. Weniger Mehrwert (sorry, das klingt hart) heißt logischerweise weniger Kohle. Versteht mich nicht falsch, jeder neue Mitarbeiter muss eingearbeitet werden. Idealerweise bringt er/sie aber auch schon Vorwissen und eine gewisse Leidenschaft für das Aufgabengebiet mit.

    Deswegen Leute, verbringt euer Studium nicht nur im Hörsaal und auf Semesterparties, sondern macht Praktika (ja im Studium ist das zulässig;-)), informiert euch über Berufsbilder und Aufgabengebiete und schaut was zu euch passt. Was auch viel bringt ist entsprechende Entscheider oder Fachpersonen aus euren Wunschgebieten anzurufen und zu interviewen. Macht das alles IM STUDIUM, nach dem Abschluss ist es zu spät dafür.

    Weiterführende Info findet ihr auf diesem Blog:
    http://finde-deine-aufgabe.de/

    Das hat mir in der Bewerbungsphase extrem weiter geholfen und ich hatte den Mut mit der Faust auf den Tisch zu hauen.

    Viel Erfolg euch Allen!

  2. Hallo Sinah,
    ich muss ehrlich sein, als ich den Bericht über deinen Eintrag gesehen hab dachte ich sofort: „Okay, wieder einer der Generation Y der sich auskotzt“ diese scheinen mehr und mehr wie Pilze aus dem Boden zu sprießen. Unlängst hab ich mir auf meinem Blog so auch Luft gemacht, auch wenn ich zur Zeit kein Praktikum (mehr) suche, sondern ein Volontariat oder Traineeship.
    Ich habe 6 Monate Praktikum bei RTL hinter mir, Vergütung 500 Euro im Monat.
    Vorher habe ich eine zweijährige schulische Gestalterausbildung gemacht und den Bachelor in Germanistik und Kommunikations- und Medienwissenschaften gemacht. Im Übrigen habe ich mit 23 erst angefangen zu studieren, man ist also mitnichten dann schon fertig! Ich bin jetzt 29 und (immer noch) auf Jobsuche.
    Chill mal, du bist erst 23! Und es gibt leider wirklich Haufenweise Absolventen im Medienbereich die mehr oder minder gut qualifiziert sind. Der Markt ist überlaufen, Stellen bekommen hunderte an Bewerbern. Natürlich auch Praktikumsplätze – da findet sich dann immer einer ders für 400 oder noch weniger macht. Wie in jedem Jobmarkt dumpt man sich gegenseitig die Preise, die man selber wert ist, runter.
    Ich muss sagen, ich bin nach einigen Monaten der Jobsuche auch soweit dass ich wirklich die Nase voll habe. Noch ein zweites Praktikum kommt mir eigentlich NACH dem Studium nicht in Frage und ich habe die schon ausgefüllten Unterlagen für eine selbstständige Tätigkeit hier liegen… das scheint leider am Ende die einzige Möglichkeit zu sein, wenn man gerne und viel arbeitet, aber sich keinen „Sesselfurzer“ als Chef unterwerfen will.
    Vielleicht machst du es so wie ich: Such ein Praktikum oder ein Trainee, meinetwegen nicht hammer bezahlt aber lern dabei was für dich und schau, ob du das dann als Freelancer ausführen kannst.
    Ich wünsch dir viel Glück (wie uns allen der Generation Y – arg! Ich kanns nicht mehr hören…)

    Fenja

  3. Ein Beispiel:
    Als auszubildende Physiotherapeutin an einer Privatschule (und das heißt in meinem Fall nun nur ’selbst bezahlt‘ und nicht ‚privilegiert‘ oder gar ‚Vorteile im Bezug auf Lernhilfe, Klassenstärke, qualifizierte Fachkräfte‘) habe ich 3 Jahre lang bei 45h die Woche monatlich 335€ hingelegt. von diesen 3 Jahren war eines rein praktisch in 6 verschiedenen medizinischen Einrichtungen – für die Arbeit dort habe ich BEZAHLT. Ich bin deswegen nichts anderes als jeder stinknormale Physio mit Diplom in Deutschland.
    Bemerkungen des angestellten Personals wie ‚ohne die Azubis wäre der Arbeitsplan gar nicht zu schaffen‘ waren dort häufig und ernst gemeint.
    Ich möchte mich nicht beschweren, meine Ausbildung war toll und mein Job ist es trotz schrecklicher Vergütung auch.
    Aber sowas kann doch nicht fair sein und ich muss Sinah deswegen voll und ganz zustimmen.

  4. Die dümmsten Kälber wählen ihren Schlachter selber.

    Natürlich wäre in 90% der Bereiche ausreichend Geld da, um Praktikantenjobs -welche als volle Arbeitskraft gewertet werden- ausreichend zu entlohnen.
    Aber das ist nicht Sinn und Zweck des derzeitigen Systems (das sich immer weiter verschärft). DU sollst nur gerade so viel Geld haben, dass du dich am Leben halten kannst und trotzdem noch arbeitsfähig bist. Dass durch deine Arbeitskraft erwirtschaftete Geld soll nach oben verteilt werden. Und Ansprüche (als Praktikant) hast du eh nicht zu stellen, sondern nur für immer mehr Gewinn zu sorgen. Aus der Rentenkasse bitte ebenfalls keine Ansprüche beziehen, sondern ein Leben lang einzahlen, in unserer Generation bis 75 arbeiten und dann direkt vom Bürostuhl tot in die Kiste kippen.

    Der Mindestlohn, bei dem unsere liebe Frau Nahles geschrien hat „Hurra, ein riesen Fortschritt“ ist da doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein und ein riesen Witz.
    Für euch Praktikanten wird das ganze die Lage noch zusätzlich verschärfen. Für andere Praktikanten, die sich erstmal orientieren wollen ebenfalls. Die können sich nach drei Monaten wieder einen neuen Platz suchen, da keiner für sie zahlen will.
    Mit deinen 700€ kannst du dich somit leider glücklich schätzen (obwohl ich es persönlich ebenfalls unter aller Sau finde!!!). Die ausgelernte und berufserfahrene medizinische Fachangestellte, die beim Arzt weit mehr als Chipkarten einliest, sondern dir auch mal eine Spritze oder Infusion setzt, geht mit 1000€ netto nach Hause. Gehaltlich eher keinerlei Aussichten auf eine Steigerung irgendwann im Laufe des Lebens. Letztere Möglichkeit besteht bei dir mit einem Studium ja hoffentlich noch.

    So siehts leider nun mal aus. Aber alle schimpfen auf Griechenland Entscheidung zur neuen Regierung, ich kann sie nur beglückwünschen. Die haben wenigstens den Arsch in der Hose etwas verändern zu WOLLEN (ob die es Schaffen sei mal dahin gestellt).
    Denn hier im Lande wird man vier Jahre lang nach Strich und Faden von unserer Regierung beschissen und wo wird danach wieder das Kreuzchen gesetzt? SPD oder CDU. Es wird sich beschwert über alle möglichen Missstände und dennoch wird alle 4 Jahre derselbe Haufen in den Selbstbedienungsladen namens „Regierung“ gewählt. Alles andere ist alternativlos und kein vernünftiger Mensch macht sein Kreuzchen woanders. Da wundern mich die Zustände nicht mehr, die hier mittlerweile vorherrschen und von der Gesellschaft immer mehr akzeptiert werden. Welcome to Germany.

  5. In deinem Beitrag steckt einiges wahres drin, wird jedoch von JAMMER JAMMER JAMMER übertüncht.

    Lehrjahre sind keine Herrenjahre, wie man früher so schön sagte…

  6. Super Gehirnfutter – für „beide Seiten“! Danke dafür.
    Seit ca. 20 Jahren gehöre ich zur „Chefsessel-Furzer-Liga“ – und die Praktikanten von einst sind heute die besten Mitarbeiter die man(n) sich nur wünschen kann. Warum, weil ein optimales Gesamtgefüge aus anständiger Bezahlung mit Motivation Top Leistung zu tun hat. Doch wie viele Menschen durfte ich einstellen, die bereits in den tollen Agenturen unserer Welt für ein „tolles“ Gehalt auch am Wochenende und unter der Woche mit Überstunden arbeiten. Und dabei konnte nicht Jede/Jeder toll rechnen… das habe ich dann gemacht um diesen höchst frustrierten aber sehr guten Mitarbeiter für mein Unternehmen zu begeistern. Bei uns gibt es kein durchgearbeitetes Wochenende und so gut wie keine Überstunden, den das würde bedeuten, wir können nicht planen und lassen uns zudem von viel zu kurzfristigen Fehlplanungen seitens Kunden das Ruder aus der Hand nehmen. Mein Leben ist mit jedem Tag viel zu kurz um diesen „Schei…“ mitzumachen – ja, auch ich habe das in jungen Jahren mitgemacht… „Klar Herr Gängler, selbstverständlich werde ich Ihnen das Überauswahninnigwichtig-Layout bis Montag liefern… nein ist kein Problem, für mich sofort zu beginnen, da ich jetzt am Freitag ohnehin nichts vor hatte, ich ruf kurz meine Freunde an und sag alle fürs WE ab, nein überhaupt keine Ursache, meine Kollegin kommt morgen ebenfalls und unterstützt … jedenfalls wünsche ich und Ihnen und Ihrer Frau viel Spaß beim Segeln am Bodensee, genießen Sie das Wochenende, dann bis am Montag.
    Das schöne an der Tatsache, dass meine Mitarbeiter so gut wie keine Überstunden (max. 10 im Monat – bei Freizeitausgleich) und keine WE-Arbeit machen müssen, lässt diese verlässlich Freizeit planen, Beziehungen in der Familie und im Freundeskreis zu pflegen – und das ist auch neben dem Monitären viel Wert. Darum sollte aus meiner Sicht die „Gesamtmischung“ stimmen und nicht nur ein „Modul“. In den letzten Jahren stelle ich zum Thema Praktikanten und Auszubildende leider fest, dass gerade in der Kreativ-Industrie die „Nehmerhaltung“ stark zunimmt. Um so mehr sind Menschen willkommen, die Verantwortung für Ihr eigenes Tun und Fortkommen übernehmen, die an Schwächen wie z.B. „Dreisatz“ arbeiten. Aber auch an dem täglich arbeiten, was diese bereits gut können um noch besser zu werden – und muss nicht immer beruflicher Natur sein. So z.B. haben wir einen nahezu echten Muttersprachler, der sich einfach vor 4 Jahren Spanisch und Thailändisch beigebracht hat und dies in einer geprüften Qualität, die einem Nativespeaker ebenbürdig ist. Super, dass wir so bereits zwei Kunden mit Hauptsitz in Madrid und Pak Kret betreuen können.

    Mein Anliegen an die Menschen, die sich weder ausnutzen lassen wollen aber umgekehrt auch niemanden ausnutzen – sagen Sie immer offen und direkt, was Sie sich wünschen und was Sie sich nicht wünschen. Es gibt „Chefsessel-Furzer“ die solche Menschen einstellen, anständig bezahlen und gerne nach der Schnupperphase einen weiteren Weg zusammen zurücklegen wollen.

  7. Hallo zusammen!

    Leute, ich möchte Euch ermutigen, Euer Leben zu leben, ja zu „verleben“! Ich war 15 Jahre Soldat und da war inkl. Afghanistan alles mit dabei. Ich habe das Leben bis zur Neige ausgekostet. Dann nochmal nebenher studiert (morgens, vor dem Dienst, von 04:00 bis 06:00) und habe nun einen Klasse Beruf. Warum habe ich den bekommen? Nicht wegen dem zusätzlichen Abschluss, sondern wegen meiner Art Probleme anzugehen.

    Also: verkauft Euch nicht unter Wert! Und sammelt Erfahrungen.

    Liebe Grüße, C.

  8. Jung. Lerne den Reichtum in dem du lebst wertzuschätzen, selbst wenn du wenig verdienst verdienst du noch immer viel. Akzeptiere das System in dem du lebst, ändere es oder zieh in ein anderes. Beschweren bringt – nichts. Und ansonsten: nimm dein Leben selbst in die Hand.Vom reagieren zum agieren – denk mal drüber nach.

    • Bevor man solche Sprüche kloppt, sollte man mal weiter, als bloß vor die eigene Haustür schauen.

      Ich möchte DICH mal mit 1000€ Netto im Monat oder den 700€ aus dem Praktikumsjob in einer Großstadt, wie München, Berlin, Frankfurt oder Köln überleben sehen. OHNE einen Cent von Mutti dazugesteckt zu bekommen. Alleinlebend wohlgemerkt.

      Rechne vom Lohn Miete, Strom, Heizung, Nahrungsmittel und Fahrkarte zum Job ab. GEZ musst du übrigens auch zahlen. Von Kleidung, Ausgehen oder mal außerhalb Essen rede ich erst gar nicht.
      „Früher“ war es nicht notwendig, zu einer Vollzeitstelle noch einige andere Jobs nebenbei erledigen zu müssen, um genug zu haben. Umsonst hat sich die Anzahl der Menschen, die ARBEITEND an der Armutsgrenze leben, seit 2008 nicht um 25% erhöht. Finde den Fehler.

  9. Am besten du gehst damit zu TV Total so wie das eine Gedichtsinterpretationsmädel, welches sich über das Schulsystem aufgeregt hat.
    Seh ich gute Chancen 😛

  10. Ihr seid alle so süß. natürlich bekommt man als Praktikant kein Geld. Wenn du es richtig machst, lernst du nämlich wies läuft und verdienst am Ende besseres Geld als dein Vorgesetzter. Und nicht vergessen: Geld VERSCHIEBT sich.

  11. Spielgeld für Monopoly. Echtes Geld für echte Arbeit. Ist das zu simpel gedacht? Ich glaube nicht.

  12. Pingback: Danke für (fast) nichts. | Kräuterhexen

  13. Du triffst den Nagel auf den Kopf! Ganz genauso ist es mir auch ergangen.
    Nun stehe ich am Ende meines Master-Studiums, habe viele (unterbezahlte) Praktika gemacht – wegen der praktischen Erfahrungen.
    Ich schreibe eine Bewerbung nach der anderen – nur Absagen. Da tut sich nun ein weiteres Problem auf: Nahezu jedes Unternehmen sucht Mitarbeiter mit Berufserfahrung. Praktika gelten dabei leider nicht als solche.
    Da stellt sich nun die Frage: auf ein Volontariat bewerben, mit Hochschulabschluss gerade mal 800 Euro im Monat in der Tasche haben und das noch einmal ganze 2 Jahre?

    Eigentlich kann das wohl kaum die Lösung sein. Warum sind 5 Jahre geiszeswissenschaftliches eigentlich so viel weniger wert als beispielsweise ein Ingenieursstudium? Sicher war mir schon vor dem Studium klar, dass man damit nicht „reich“ werden wird, aber ist es denn zu viel verlangt einen Job zu finden, bei dem man zumindest so viel verdient, dass man davon einigermaßen leben kann??!!

  14. DANKE! Du sprichst mir aus der Seele. Bin jetzt 26, hab Bachelor und Master in der Tasche. Privat studiert, um möglichst schnell fertig zu werden. Im Ausland gewesen Praktika gemacht, zwei sogar komplett unentgeltlich und nun mache ich einen Teilzeitjob in einem Modeunternehmen, weil ich da mehr verdiene als bei den meisten Jobangeboten, die ich bekomme (und ich wohlmöglich keine 20 Stunden-Woche sondern eine 50 hätte. Außerdem habe ich mich entschlossen nicht mehr komplett flexibel zu sein. Ich bin mit meinem Freund zusammengezogen. Und möchte dies auch weiter. Das heißt keine Umzüge mehr zu Jobs, die sowieso nicht wertgeschätzt werden. Ich bin so wie es jetzt ist glücklicher und vielleicht ergibt sich aus meiner jetzigen Situation eine Weiterentwicklung, bei der sich das Studium irgendwann lohnt. Ich weiß es jetzt noch nicht, aber planen (wie ein Studium und seine Karriere) bringt auch nicht Immer was. Deshalb lebe ich jetzt mein Leben!!!!

  15. Solang sich leute für 400€ pro Monat verkaufen gibt es auch keinen Grund bessere Bezahlung anzubieten. Das Problem ist meist aber, dass man vielerorts gesetzlichen Anspruch auf mehr Lohn hat, aber solang das keiner einfordert…

    Übrigens ist eine Neiddebatte zwischen Praktikanteinnen und Frisörinnen mehr als sinnlos, denn niemand davon bekommt genug zum (selbstständigen) Überleben.
    http://www.watchlist-praktikum.at/

  16. Gratuliere dir für deinen Mut! Ich bin ja sehr glücklich, dass wir alle ein Dach übern Kopf haben, nicht Hungern müssen und zumindest innerhalb unseres Landes im Frieden leben können, nichts desto trotz sollten wir nicht immer alles einfach so hinnehmen. Bildung ist teuer, auch bei uns. Ohne Unterstützung nicht finanzierbar. Un wenn man so wie ich erst mich 24 oder 25 oder gar erst mit 30 zu studieren beginnen will noch schwieriger! Wobei ich sagen muss 700 für ein Praktikum ist ja eh noch sher gut gezahlt , in so manchen Labors bekommst du gar nichts! UND MUSST DICH ÜBER EINEN PLATZ FREUEN

    • Mein Vater hattet keine Zeit fur mich, vieleicht darum ich bin kindisch aber ich denke auch stark. Ich kann danke sagen meine Eltern. Aber ich weiss dass er hattet grosse Liebe zu mir. Mein Vatter war morden wegen Kollege. Das war in Nacht 2/3. (Freitag/Sammstag 10. 2003. Ich war in Schule 3.10.2003 und ich habe Nachricht von meine Kollegin aus meine Arbeit bekommen. Und 06.10.2003 ich musste in Arbeit uber meine Kunde kümmern (kleine Stadt, alle kennen sich, ich hatte keine Lust arbeiten nur mit meine Familie sein, aber ich konnte nicht) Wann ich war 19 Jahre alt ich habe Nachricht bekommen dass Vater hat zu mir Geld investiert. Ich habe studiert Rechnungwesen. Meine Studium es ist einfach Fehler. Meine am groste Traume war Deutsch Sprache studieren. Meine Lehrerin war immer zufrieden aus mich.Und dass ich in Deutschland bin das ist Geschichte. Ich hatte keine Geld wenn ich hatte Praktikum in Steueramt in Polen – nur Spass und Hoffnung dass vieleicht ich bleibe hier. Ich hatte sehr gute Referenzen aus Steueramt. Ich habe viel Arbeit gemacht und ich hatte kleine Geld, aber ich hatte Spass dass ich Arbeit habe. Ich hatte Arbeit mit Vertrag und Arbeit ohne Vertrag und ohne Versicherung. Und ich habe geweint nie. Ich war immer zufrieden dass Arbeit habe. Viele Unternehmen haben mir Kundigung gegeben, weil mir gebracht schon nicht. Es bedeutet nicht das Unternehmen ist schlecht oder das bedeutet nicht dass ich schlecht bin, nur es geht immer uber Geld. Dann eine polnische Unternehmen hat zu mir zuruck angerufen – bitte komm zuruck (aber ohne Vertrag ) – darum ich habe einfach aufgegeben. Meine letzte Firma aus Polen ist Kaput. Schade. Ich hatte super team, fantastish Leute. Ich hatte viel Kredit weil ich keine Geld kaufen einfach aus meine kleine Lohn hatte – Waschmaschine, Fernsehen, Boiler, Komputer, Mobel. Grosse Rechnung – Wasser, Strom, Miete. Ich hatte keine Geld leben. Mein Bruder hat mir Geld gegeben ( Bus, Lebensmittel). Darum ich bin in Deutschland. Ich war total verloren. Aber ich hatte Ziel diese Verpflichtungen erfüllen (Bank). Ich habe geschaft und noch meine Wochnung renoviert. Egal… Wegen mich wegen Trennung leiden auch Privatleben und das ist scheisse. Ich war total kaput und wann ich in Deutschland war meine Bruder war gestorben. Ich dachte uber Bruder aber ich habe angerufen nicht und nechste Tag ich habe schlecht Nachricht bekommen. 1,5 Jahr Depresion. Letzte 3 monate ist gut. Ich bin 30 Jahre alt und manchmal total mude. Mein Kopf ist ganz kaputt, aber ich habe aufgegeben nicht. Gesund am wichtigsten. Manchmal Leute weinen weil chaos sehen. Ich hatte mein Privat chaos. Also ich habe einfach aufgegeben uber Geld kampfen. Geld sind wichtig aber am wichtigsten nicht. Ich mochte zumB. stabil leben, lernen, arbeiten, Erfahrung sammeln. Keine Achnung was Zukunft gibt. Ich wunsche alle junge Leute Kraft, viel Kraft, weinen nicht. Niemand ist Perfekt und niemand hat leicht Leben. Entschuldige dass ich habe es alles geschrieben. Alles mir ist egal was jetzt Leute denken uber mich. Ich schreibe es fur mich selbst, ich will einfach wegwerfen aus meine Leben alles was war negativ und vieleicht zeigen andere dass Geld sind keine Wertkriterium Mensch. In Firma ganz objektiv betrachtet … gute Arbeit = gute Geld. Das soll sein. L. G. Ich gehe weg schon

    • Hey Caroline! Vielen Dank, ich kann gut nachvollziehen, dass du dich da gestresst fühlst. Der Druck, zu Beginn der 20er schon mit einem Studium durch zu sein, ist unglaublich und den machen wir StudentInnen uns glaub ich auch selber – indem wir andere zB kritisieren, wenn sie sich mit Ende 20 noch zu einem Studium entschließen, indem wir es belächeln, wenn über 30-Jährige noch in den Vorlesungen sitzen. Sollten wir aber eigentlich nicht. Fakt ist, Lernen sollte ständiger Bestandteil unseres Lebens sein, die Bereitschaft zu Lernen gefördert werden. Wir befinden uns da in einer Abwärtsspirale, vor allem in Sachen Praktika. Du hast recht, „man muss sich über einen Platz freuen“ – das hört man nur zu oft. Lass dir dein Recht auf Widerspruch nicht aberkennen, liebe Caroline. Wenn du von Labor sprichst, nehme ich an, du studierst Naturwissenschaften? Ich wünsche dir alles Gute, viel Erfolg und sag ruhig mal, dass man sich zwar über einen Platz freuen kann, sich aber nicht über Ausbeutung freuen muss. Liebe Grüße! Sinah

  17. Pingback: Existenzangst | Sebe93's Blog

  18. Glauben denn immer noch soviele, dass ein Studium automatisch gutes Geld bedeutet? Ein Studium qualifiziert uns die Chance auf einen guten Job zu bekommen – Aber mit Geld hat das nichts zu tun. Lehrlinge die 3 Jahre in einem Unternehmen arbeiten, kennen jede Abteilung, wissen genau wie alles abläuft….warum soll ich einem Praktikanten „Unmengen“ an Geld geben, der nur 3 Monate da ist? Ich fände es mehr als ungerecht, würde ich als Student in einem Praktikum mehr verdienen als eine Ausgelernte die 3 Jahre lang alles über das Unternehmen gelernt hat. Wäre ich Chef, ich würde es genau so machen…auch wenn ich selbst studiert habe. Abteilungsleiter, Projektmanager, Unternehmer…das alles kann man auch ohne Studium werden.

  19. Danke für diese Innensicht. Viele haben dazu ja viel geschrieben.

    Ich habe nur eine Wahrheit eines guten Mannes: „Wenn man gut ist, schafft man es immer.“ Egal, ob Krise, Medien oder sonstwas.

  20. Magdalena hat geschrieben:
    “In Firma ganz objektiv betrachtet … gute Arbeit = gute Geld. Das soll sein. L. G. Ich gehe weg schon”
    Lisa hat geschrieben:
    “Glauben denn immer noch soviele, dass ein Studium automatisch gutes Geld bedeutet? Ein Studium qualifiziert uns die Chance auf einen guten Job zu bekommen – Aber mit Geld hat das nichts zu tun.”

    “Wäre ich Chef, ich würde es genau so machen…auch wenn ich selbst studiert habe.”

    Meine Gegendarstellung:
    Wenn du arbeitest gut, wenn du bist ganz sicher dass du gut bist, professionell in Arbeit du kannst sagen: ja ich verdine mehr Geld bekommen. Bitte gut verstehen Worte.

    Und noch …

    Vielleicht du bist keine Chefin genauso wie ich, aber jeder kann man ganz kurturel Meinung uber diese Thema äußern. Wenn du kannst nichts verandern du kannst sich selbst und deine Sinne, deine Meinung verandern. Ich probiere mich selbst verandern jeden Tag.

    L. G. :*

  21. Pingback: Neue alte Generation. | The Black Shirt Blog

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