Instagram will, dass wir uns für’s Frausein schämen.

Rupi Kaur’s Instagram Post sorgte für ordentlich Wirbel in der Online-Community: Die junge Frau hat nämlich aus ihrer Periode ein Kunstprojekt gemacht.

Es klingt total lächerlich und eigentlich ist es das auch: Instagram entfernte zwei Mal das gleiche Bild von Poetin und Künstlerin Rupi Kaur, weil sich diese gegen die Tabuisierung der Periode stark gemacht hat. Auf den Fotos waren Situationen zu sehen, in denen sich ausnahmslos jede Frau einmal im Monat wiederfindet: Also warum die Aufregung?

Ein kleiner Blutfleck im Bett und in der Dusche, eine Frau mit Wärmflasche auf dem Bauch: Inwiefern verstößt das gegen die Richtlinien des Online-Dienstes Instagram? Die Reaktion zeigt, wie sehr wir das Thema Menstruation tabuisieren, es für abartig und widerlich erklären. Genau solche Reaktionen auf unseren Körper vermitteln uns, dass wir uns eigentlich dafür schämen sollten: Dadurch wird aber nicht nur Misogynie in höchstem Maße unterstützt, sondern auch das Frausein systematisch abgewertet und als etwas „Unreines“, „Schmutziges“ dargestellt. Die junge Künstlerin will da nicht mitmachen – Zurecht.

Kaur sagte, dass sie sich vom Unternehmen Instagram in ihrer Menschlichkeit angegriffen fühle. Weiteres fragte sie öffentlich, warum es für das Unternehmen okay sei, dass sich Frauen in sexy Posen und leicht bekleidet zeigen, eine banale Alltagssituation sei dem schönheitsverwöhnten und filterliebenden Instagram-User aber nicht zumutbar. Instagram toleriert die Frau als bloßes, pornografisches Objekt, will sie in ihrer natürlichsten Form aber nicht zeigen – Somit hat Rupi Kaur nicht nur eine wertvolle Diskussion um Frauenfeindlichkeit angezettelt, sondern auch den eigentlichen Sinn von Kunst thematisiert: Ästhetik muss hinterfragt, der Beobachter gefordert, und manchmal eben auch schockiert werden. Auf Facebook teilt sie die Reaktion der Foto-Plattform via Screenshot, sagt, dass sie genau diese Zensur kritisieren wollte und dass sie sich nicht für ihre Fähigkeit, Kinder gebären zu können, schämen werde.

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Wieder einmal wird deutlich, wie meinungsprägend soziale Netzwerke sind – nicht nur in Sachen Geschmack und Stil, sondern auch was Meinungen, Toleranz und Akzeptanz betrifft. Eine junge Frau stellt sich mutig gegen ein Netzwerk mit 300 Millionen Mitgliedern und fordert öffentlich ihr Recht auf Akzeptanz ein. Sie ist bereit, mit dem Hass und den negativen Kommentaren umzugehen und zeigt, dass Diskussionen um Feminismus immer noch von großer Bedeutung sind – Dafür ist ihr jede Frau eigentlich zu Dank verpflichtet.

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Tipp: Rupi Kaur schreibt wunderbare Gedichte und Prosa. Ich hab‘ mir mein Exemplar schon bestellt. Sehr lesenswert. „Milk and Honey“, € 12,70 via Amazon.

woman.at

dazeddigital.com

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