Festival Mode: On.

Vom 4. bis 6. Juni fand in Wien das Rock in Vienna Festival statt: Ein Indie-Pop-Mädchen berichtet über ihre Erfahrungen mit den Metalheads. 

granddadscoat

Festival in Wien: „Kann das was…?“, fragt sich da der Österreicher, der den Dingen, die im eigenen Land veranstaltet werden, sowieso immer skeptisch gegenübersteht. Anschließend beweint er den Ticketpreis (200 Euro für einen Festivalpass sind aber auch ein stolzer Betrag, zugegeben) und dann stellt er sich die Frage „ob das nicht ein ziemlicher Scheiß sein wird“. Nach diesem Wochenende kann ich diese Frage beantworten: Nein, kein Scheiß!

Donnerstag Nachmittag, 500 Grad, 25.000 Menschen, Donauinsel: Das Rock in Vienna öffnet seine Schleusen für Rock- und Metalfans aus ganz Europa. Ich mag Festivals ja wirklich gern: Nirgendwo sonst trifft man Menschen, die, angefangen mit der Leidenschaft für Musik, ihr Bier, ihre Zigaretten und ranzige Sonnencreme miteinander teilen, die verschwitzt und milde lächelnd von einem Spritzerparadies zum nächsten tingeln, ihre Sorgen vergessen und einfach eine gute Zeit haben wollen.

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Bei A Day To Remember sind (trotz des weniger motivierten Auftritts) wahrlich nostalgische Gefühle in mir hochgekommen und ich musste zurückdenken an eine Zeit, als Bandanas, Extensions, Glitzerplugs und schwarzgefärbte Emo-Hairstyles noch zum Signature-Konzert-Look einer jeden MySpace-Whore zählten. An warmen Weißwein sippend, mit der Sonne im Gesicht und dem Geruch frittierter „Rock Foods“-Delikatessen in der Nase genoss ich den entspanntesten Auftakt zur Festival Saison überhaupt und fragte mich, warum die Welt nicht immer so sein kann. Während ich gegen Abend irgendwo zwischen Hitzeschlag und Herzinfarkt war, war ich tief beeindruckt von der körperlichen Verfassung der Faith No More’s: Die Dudes standen in Hemd und Hose auf einer Bühne mit abgefahren kitschigem Blumenarrangement und schafften es trotzdem, cool zu wirken und fragwürdige Gestalten im Publikum als „fucking skinheads“ zu beschimpfen.

saustall

Auch am zweiten Tag war das Wetter lächerlich perfekt, traumhafter Sonnenuntergang inklusive. Meine Euphorie wurde leider durch die Nachricht „Kein Bier mehr, sorry!“ am Zipfer-Stand gedämpft, ein worst case, das bei keinem Festival jemals eintreten sollte (never, never, NEVER!). Der Ärger über diesen faux pas ist aber schnell verraucht, als Muse die Bühne betraten, die Fans sich in den Armen lagen und eine epische Hymne nach der anderen mitgrölten.

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Das Rock in Vienna war erstaunlich entspannt, gut organisiert und auch verhältnismäßig sauber – so konnten vielleicht auch jene Ü30-Festivalbesucher wieder Vertrauen in Festivals gewinnen, die der ganzen Institution bislang skeptisch gegenüberstanden. Bis auf eine Gruppe Mädels, deren bleicher Busen über BH und obligatorischem „Rock in Vienna“-Shirt hing wie ein Sack Mehl über der Schulter eines Müllers, sind mir nicht mal wirklich besoffene Menschen aufgefallen. Lustig war auch das Konzept der zwei Bühnen, die nebeneinander aufgebaut waren und auf denen die Bands abwechselnd spielten. 5 Minuten Wartezeit zwischen den Auftritten gestalteten Bier- und Pinkelpausen zwar etwas stressig, ansonsten war das aber eine interessante logistische Lösung, die ich bei weiteren Festivals gerne begrüße.

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Hipster-Elfen mit Blumen im Haar und Wallemähne wird man am Rock in Vienna übrigens nicht finden – Für alle die, die ihre Festivalplanung eher am romantisierten Coachella-Image ausrichten, als am tatsächlichen Line-Up. Dafür trifft man umso mehr hotpantstragende Leder-Nymphen mit pinken Haaren, die sich über ihren Look gar nicht so viele Gedanken zu machen scheinen: Und genau so soll es auch sein!

Obwohl die Frage offen blieb, warum Incubus noch immer als Festivalband gebucht wird und Brandon Boyd nicht längst mit Yoga-Kursen sein Geld verdient, waren die Headliner recht passabel ausgesucht. Ich bin ja eigentlich auch kein Metal- bzw. Rock-Mädchen im engeren Sinne, habe die Stimmung dort aber wirklich sehr genossen. Für’s nächste Jahr würde ich mir aber ein bisschen mehr Post-Hardcore oder Punk wünschen. Schön war’s.

Danke an Antenne Steiermark!

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9 Gedanken zu “Festival Mode: On.

  1. Seitdem ich am Frequency 2007 (in Salzburg klarerweise) quasi fast im Schlamm ertrunken bin, hab ich mich von Festivals irgendwie ferngehalten – The Hives & Muse haben mich dann aber doch davon überzeugt, dem Ganzen noch eine Chance zu geben.. und ich war so so so positiv überrascht! Rock in Vienna war irre toll organisiert.. nächstes Jahr bin ich fix wieder mit dabei 🙂

    Alles Liebe, Katii

  2. Ach, du hättest noch zwei Seiten weiter über Faith No More schreiben können. *lach* Habe ein paar Fotos vom Auftritt gesehen. Sehr fein. Gab es bei dir Bandmäßig Überraschungen oder Enttäuschungen?

    • Ich hätte noch 100 Seiten über Faith No More schreiben können 😀 Also das, was ich gesehen hab, fand ich alrighty – für die Temperaturen. Wie hast du’s so erlebt?

      • Oh bitte, tu es, lass es raus! Ich bin gerade noch beim schreiben der Kritik am Rock im Revier und dem FNM-Konzert vom Samstag, aber ich kann dir schon mal sagen, dass Metallicafans tendenziell musikalisch beschränkt sind. *lach*

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