Die hässlichste Frisur des Jahrtausends.

Streng nach hinten gegelt, locker hochgebunden, eingerollt in dieses komische Dings, das man bei H&M an der Kassa kaufen kann und das einen aussehen lässt, wie eine Flamenco-Tänzerin, mit Haarspray betoniert, mit fettigem Ansatz: Der Dutt, in seinen unendlichen Variationen, ist unser Freund, weil er praktisch und cool ist: Der Retter unserer Bad Hair Days.

Er gibt Aufschluss über unseren momentanen, psychischen wie physischen Zustand. Von „heute Abend wasche ich mir bestimmt die Haare, hoffentlich riecht niemand daran“ über „ich bin so cool, ich kann auch mit einer Scheiß-Frisur herumlaufen und sehe super aus“ bis „ich bin so froh, wenn die Prüfungszeit endlich vorbei ist“, sagt er so viel über uns aus. Jeder einzelne dieser Varianten hat ihre Berechtigung und ist somit wundervoll. Bis auf eine.

by Mana Hair http://manahair.blogspot.co.at/

Der Half-Bun. Während ich das schreibe, läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Der Half-Bun ist ein Phänomen: Zahllose Hipster-Mädels und -Jungs geben sich unreflektiert der Illusion hin, dass die Mähne, zur Hälfte abgeteilt und nach oben gezwirbelt in irgendeiner Art und Weise cool aussehen würde. Warum? Weil die Grenzen von Ästhetik zur Zeit so sehr hinterfragt werden, wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte – was ja prinzipiell super ist. Aber dieses kleine Knödelchen am Hinterkopf, dieser geknotete Vokuhila hat nicht einmal wirklich Sinn: Haare hoch, oder lieber doch nicht? Ich bin echt kein Fan von Do’s und Don’ts (nur beim Sex, ihr wisst eh!), aber gegen diesen Hype muss ich einfach was sagen, weil ich die Sinnlosigkeit dieser Frisur einfach nicht länger ertrage.

Klar, es macht schon einen Unterschied, ob man mal eben irgendwie die Haare zusammenmacht, weil man kocht, wild herumschmust oder sich mit einem üblen Hangover zum Billa schleppt. Wer sich aber morgens im Bad eine halbe Stunde abmüht, um den perfekt-unperfektesten Half-Bun mit einem spröden Haargummi zu formen, nur um auszusehen, wie die paar Menschen auf Instagram, der sei mit einem einfachen Dutt oder einer lässigen Flechtfrisur vielleicht besser beraten. Wenn du trotz leicht ekligem Ansatz mit deiner Wallemähne auftrumpfen möchtest: Warum dann kein Sleek-Look? Oder noch besser: Der klassische Pferdeschwanz? Der lässt sich nämlich auch cool stylen und unter dem Hashtag „messyhair“ posten.

Man muss ja nicht in allem ein gesellschaftliches Phänomen erkennen: Aber man kann. Letztes Jahr haben die Birkenstocks die Meinungen gespalten (die sind aber wenigstens bequem und gut für’s Fußbett), dieses Jahr verkleben fettige Half-Buns das Instagram-Feed. Normcore ist gerade eben Punk. Was schon irgendwie okay ist – Gloss, Photoshop und Perfektion ermüden auf die Dauer, man will mal wieder was Echtes sehen, Schönheit in dem erkennen, wo jeder Zugang dazu hat und niemand außen vor bleibt. Trends und Anti-Trends sind vollkommen legitim, allerdings muss man auch nicht alles super finden. Kann aber auch sein, dass ich einfach nur neidisch bin, weil mich der Half-Bun eher aussehen lässt, wie Po von den Teletubbies.

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5 Gedanken zu “Die hässlichste Frisur des Jahrtausends.

  1. Haha und ich bin grad endlich voll auf den Halfbun gekommen.. hab den anfangs auch total schrecklich gefunden & überhaupt nicht gecheckt, wie denn auch nur irgendwer das Ding aufm Kopf auch nur irgendwie hübsch finden könnte.. Seit knapp 1,5 Wochen gehör ich jetzt auch zu denen – und steh drauf! Und jo – ich habs zum ersten Mal wegen einem Bad Hair Day probiert shakalaka 😀

    Alles Liebe, Katii

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