49 wirklich gute Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung.

tumblr_inline_niaxolqdAS1qe88g8

Die Bravo weiß, was Jungs wollen: Cute Girls, die immer lächeln und besonders dann süß sind, wenn sie sich tollpatschig verhalten. Interessante Insights über die jugendliche Psyche, puh.

Die „100 Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung“ lesen sich wie ein Frauenratgeber von 1950, das sah die Twitter-Community wohl ähnlich: Die Bravo, dieses Teufelsmedium, verbreitet ein völlig falsches Frauenbild und will die jungen, leicht zu beeinflussenden Mädels zu stupiden, persönlichkeitslosen Grinsekatzen formen, die sich stets in den Lieblingsfarben des Schwarms kleiden. O-M-F-G. Ich frage mich, was die ganze Aufregung soll: Viele Frauenmagazine postulieren doch nichts anderes.

Siehe unten: 49 wirklich gute Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung.

Ich erinnere mich zurück, an meine eigene Bravo-Phase: Gekauft hab’ ich diesen Schrott eigentlich nur, wenn coole Armbänder oder Pickerl dabei waren, mit denen ich mich selbst und meine Schnellhefter dekoriert habe. Interessiert haben mich die verrückten Ratschläge in Sachen Liebe eher weniger, die gepiercten Busen und Pimmel auf der Dr. Sommer-Seite eigneten sich zwar hervorragend zur Belustigung für mich und meine Freunde aber weniger als tatsächliche Informationsquelle und ich glaube, das sich weder am Kaufmotiv, noch an den Flirt-Tipps in der Bravo viel geändert hat.

Wenn ich mir meine Teenager-Schwester und ihre Freundinnen anschaue, scheint sich da kaum eine für Tipps aus irgendwelchen Magazinen zu interessieren. In dieser Altersgruppe denkt man nicht einmal daran, so gedanklich ferne Dinge wie Liebe und Flirten strategisch anzugehen. Mal abgesehen davon, dass Magazine nur deshalb im Einkaufswagerl der Mama landen, weil man sich das zehnte Poster von Justin Bieber an die Schranktür hängen will, sind die Youngsters viel leichter von den Thigh Gaps essgestörter Tumblr-Girls zu beeinflussen, als von den ewig gleichen Flirt-Tipps einer Bravo. Just sayin’.

Ein bisschen lächerlich ist die Aufregung auch deshalb, weil der Hype mal wieder ein perfektes Beispiel dafür ist, wie sehr wir mit zweierlei Maß messen und unser eigenes Urteilsvermögen für unantastbar halten. Problematisch sind mediale Darstellungen eh immer für die anderen, für die leicht zu beeinflussende Jugend, niemals aber für einen selbst: Ich wage zu behaupten, dass Magazine, die ihre Leserschaft jeden Monat mit den neuesten Diät-Trends, abgemagerten Superstars und Tipps für heißen Bondage-Sex versorgen, nicht weniger verstörend sind, als die Bravo mit ihren Ratschlägen für den perfekten Schulhof-Flirt. Diese gespielte Empörung nervt mich. Vor allem, wenn dann genau die Menschen, die sich da künstlich aufregen, regelmäßig zur InTouch greifen, um sich durch den Anblick prominenter Cellulite-Wadeln besser zu fühlen.

Ich will diesen Artikel gar nicht beschwichtigen. Aber man muss sich doch die Frage stellen, ob eine Bravo überhaupt noch den Einfluss hat, den man ihr nachsagt: Tatsache ist, dass man medial in jedem Alter mit viel Bullshit konfrontiert wird. Und bevor jetzt alle anfangen, ihren Kids hysterisch die Bravo aus der Hand zu reißen, weil den Mädchen geraten wird, Lipgloss zu benutzen, wäre es sicher sinnvoller, sich mit deren Internetverhalten auseinanderzusetzen. Oder ihnen in Gesprächen klarzumachen, dass dieses Frauenbild, von Werbung, Marketing, Medien vermittelt, ein von Milliardenunternehmen konstruiertes Lügengebilde ist, um Profit daraus zu schlagen – vor allem dann, wenn sich auf den nächsten Seiten garantiert der ein oder andere Lipgloss-Freisteller findet. Mit der Unsicherheit von Menschen Geld zu verdienen, ist keine neue Strategie und ganz bestimmt hat die Bravo es nicht erfunden, geschweige denn kultiviert. Wenn man die Bravo an den Pranger stellt, darf man bei anderen Medien nicht Halt machen: Vlogger, Blogger, Tumblr-Accounts, Instagram – in all diesen Kanälen trifft man auf das Bild des süßen, hübschen, ewiggrinsenden Mädchens, das, willing to please, um jeden Preis den Jungs und Männern gefallen will. Man hat also schon recht, sich über die Dummheit aufzuregen, mit der man den jungen Menschen in diesem fragwürdigen Ratgeber begegnet, aber Sexismus ist nichts, was sich auf ein paar Seiten in einer Zeitschrift mit mittelprächtiger Auflage beschränkt. Oder nur auf Girls.

Mit einer so viel jüngeren Schwester bekomme ich recht gut mit, woran sich die Teenager momentan orientieren, wer ihre Vorbilder sind und wen sie nachahmen: Das sind teilweise unabhängige, coole Personen, teilweise aber auch nicht. So wie in jeder Generation. Ich kann ihr nur immer wieder  mit halbwegs positiven Gegenbeispiele dagegenlenken, sie in ihrer Persönlichkeit bestärken und sagen, wie wichtig Bildung ist. Irgendwie muss sie sich aber dann selbst in diesem Dschungel aus „How To Be“-Ratgebern zu einer gefestigten Person entwickeln. Ich weiß nicht, ob ich es selbst besser hinbekomme, man zweifelt doch immer irgendwie an der eigenen Person und wird von den Erwartungen der Umwelt verunsichert. Klar wäre es befriedigend, einen Sündenbock für diese beschissenen Phasen während der Identitätsfindung benennen zu können, aber da würde man in jedem Fall zu kurz greifen – und die Bravo allein ist es sicher nicht. Zu fordern, dass jede Botschaft, die sich in irgend einer Art und Weise an Kinder und Jugendliche richtet, doppelt und dreifach zu überdenken, ist eine nette Vorstellung. Aber zu glauben, dass sich Medien und Unternehmen in der Praxis daran halten, ist einfach nur naiv.

Und einfach nur, weil ich es lustig finde, sind hier meine 49 wirklich guten Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung. 

  1. Lipgloss ist blöd, da bleiben die Haare immer daran kleben und schmusen kann man damit auch nicht.
  2. Stolpern ist scheiße und selten süß, vor allem dann nicht, wenn man sich weh tut und den Schwarm mit Weißwein vollschüttet.
  3. Weiße Jeanshosen sind nur MitarbeiterInnen des Gesundheitssystems vorbehalten. #verbrennealleweißenjeanshosendieserwelt
  4. Bandshirts sind sexy. Aber du musst dir jetzt kein Joy Division-Shirt kaufen, nur weil dein Schwarm Fan ist.
  5. Du musst übrigens generell nicht die selbe Musik hören wie er! *omg* #emanzipation
  6. Lächelnde Menschen wirken nett, das ist einfach so. Dauergrinsen ist aber unheimlich und ein bisschen psycho.
  7. Kaugummi schnorren ist cool. Menschen, die auf ihre Mundhygiene achten, auch. Nach Kaugummi fragen ist wohl ein Flirt-Garant, funktioniert bei Festivals fast immer. Noch besser funktionieren aber Tschik. *schmusenmitgeschmack*
  8. Beim Reden in die Augen schauen, macht schon Sinn. Übrigens hat fast jeder Mensch ein dominantes Führungsauge, daher schaut man eigentlich sowieso immer nur in eins. *wow*
  9. Ahme die Bewegungen deines/deiner Auserwählten bitte nicht nach, das sieht total crazy aus. So wird er/sie nie mit dir schmusen wollen.
  10. Schneeballschlachten sind im Sommer eher schwierig, im Winter aber lustig! Super Tipp! Und danach Glühwein und sexy time bei Kaminfeuer. *juhu*
  11. Ärsche sind die neuen Dekoltees. Lass‘ die Möpse drin und kauf dir ein paar gut sitzende High-Waist Jeans.
  12. Beine überkreuzen macht Krampfadern. #notsexy
  13. Du willst freundlicher und witziger bei Jungs rüberkommen? Such dir eine Gruppe freundlicher, witziger Jungs, die dich zum Lachen bringen und dich auch ohne gelbe Accessoires cute finden.
  14. Ein bisschen Rouge zaubert frische, rosige Wangen: Ein Spaziergang an der frischen Luft oder eine Runde mit dem Longboard auch.
  15. Glanzspülungen machen wirklich schöne Haare, kaltgepresstes Kokosöl aus dem Bio-Laden ist dabei sogar noch gesund und macht softe Girl-Haut noch softer. #sosoft
  16. Und jetzt schmeiß die Wallemähne durch die Luft, das erweckt seinen Jagdinstinkt! Flirting like it’s 45.000 BC!
  17. Wenn du ein Stirnband als Rock trägst und jeder deine Mumu sehen kann, wirst du deshalb nicht selbstsicherer wirken. Außer du bist ein bisschen exhibitionistisch.
  18. Herumstöckeln auf 10 cm hohen Heels und im U-Bahn-Gitter hängen bleiben, wirkt übrigens auch nicht sehr selbstsicher.
  19. Tu nicht so, als ob du einen Freund hast, um angegraben zu werden. #makesnosense
  20. Parfum ist sexy. Außer du verwendest zu viel und noch dazu „Lady Million“ von Paco Rabanne. #speibi
  21. Einfühlsame Girls sind toll. Man muss aber nicht jeden Hanswurst um seine Meinung fragen. *bitchesgetshitdone*
  22. Stelle deinem Schwarm viele, viele ichbezogene Fragen, zum Beispiel: „Steht mir dieser Mantel?“ oder: „Wirke ich fett in diesem Kleid?“ Männer LIEBEN das. #kidding
  23. Beende Sätze immer mit seinem Namen: „Du bist so lustig, Thomas!“ Das suggeriert Vertrauen: So machen das auch die Profi-Pick-Up-Artists, die jede Woche eine andere abschleppen. #notkidding
  24. Geh auch mal mit deinen Freundinnen fort, ohne immer und überall auf Aufriss zu sein. Entspannte Girls sind hot.
  25. Du musst nicht immer sexy sein: Lass die Haare, wie sie sind, trag‘ dein Schlabberhöschen den ganzen Sonntag lang und schalte dein Handy aus. Boys lieben es, wenn du nicht ständig erreichbar bist.
  26. Like nicht jedes Foto von ihm auf Instagram. 30 <3’s sind zwar schmeichelhaft, aber offensichtlich bist du ein Stalker. #stalkingisstillnotsexy
  27. Hör‘ generell auf, jede seiner Social Media Tätigkeiten zu überprüfen, du kleiner Psycho! *bussi*
  28. Stop. Fishing. For. Compliments. #nervig
  29. Du musst dich nicht an ihm anlehnen, damit er dich süß findet. Nähe erzeugen tust du so aber halt schon: Ein bisschen auf Tuchfühlung kannst du aber schon gehen 🙂
  30. Auch wenn dein Schwarm noch so süß ist: Wenn er eine Freundin hat und mit dir flirtet, greifst du maximal einen Loser ab, der sich von einer Beziehung in die nächste flüchtet und immer den einfachen Weg geht. *trouble*
  31. Sei nicht eine dieser Pseudo-Männerversteherinnen: „Ich kann nicht mit anderen Mädchen befreundet sein, die sind immer gleich neidisch auf mich“ ist eine Arschloch-Aussage und  jeder wird es hassen, weil es manipulativer Mist ist.
  32. Stimme deinem Schwarm nicht immer zu, das ist so peinlich! *beyourself*
  33. Deine Meinung zählt nämlich mindestens so viel, wie seine.
  34. Verstehe dich gut mit seinen Freunden: Aber flirte nie, niemals mit seinen besten Freunden. *oops* #passiertmanchmal
  35. Jungs-Cliquen sind oft anstrengend, sei lieber unabhängig und lass die Jungs unter sich – Männerabend crashen ist keine Option!
  36. Hör auf, dir irgendwelche Flirt-Tipps durchzulesen. *hihi*
  37. Sich an Jungs ranzuschmeißen, nur damit sie dir einen ausgeben oder dir einen Luxusurlaub zahlen, ist uncool. #workbitch #golddigger
  38. Rede nicht ständig über Sex, nur weil du damit die Jungs glauben machen willst, dass du eine coole Socke bist. *durchschaut*
  39. Du musst nicht über Witze oder Aussagen lachen, die nicht lustig sind. Niemals.
  40. Wenn du einen natürlichen Thigh Gap hast, ist das ok. Wenn nicht, dann auch: Ständiges Gerede über Gewicht ist ein Abtörner, Girl. #loveyourcurves #undzwarwirklich
  41. Gelnägel sind der hässlichste Scheiß überhaupt und machen jede cute Girl-Hand zur Prolo-Klaue. #unsexy
  42. Mädchen, die sich um Jungs streiten, sind doof. *girlpower* #united
  43. Mädchen, die ständig über Jungs reden, sind doof.
  44. Mädchen, die sich selbst nur über Jungs definieren, sind doof.
  45. Nur weil alle deine Freundinnen schon Freunde, Sex und Babies haben, musst du das nicht auch haben. Es ist schon okay, wenn du dir mit diesen Dingen Zeit lässt.
  46. Entgegen aller Annahmen, stehen Boys schon auf erfolgreiche, schlaue Girls: Mach dich nicht dümmer, als du bist. #smartissexy
  47. Sicher besteht ein Unterschied zwischen dem leichten Hang zum übermäßigen Drama und einem handfesten Aufmerksamkeitsdefizit. Im ersten Fall kannst du dich aber auch einfach mal zusammenreißen.
  48. Unsicher ist jeder, vor allem in Liebesdingen. Aber irgendwann sollte man anfangen, sich nicht bei der bloßen Anwesenheit eines cuten Boys komplett zu verstellen. Das kommt mit der Zeit.
  49. Sei einfach du selbst. Und zwar wirklich.
Advertisements

3 Gedanken zu “49 wirklich gute Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung.

  1. Und bei jedem Tipp denke ich mir: DANKE Gott! Es gibt noch eine Parallele zur „überschlag-die-Beine-und-grins-recht-schüchtern“ Auffassung. Top!

    • Das Liebe-Mädchen-Image muss sterben. Man hat ein Recht auf Ecken und Kanten – sexy und edgy sein ist kein Widerspruch! Danke für’s Kommentieren, freut mich sehr! Liebe Grüße, Sinah

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.