„Ich habe nie Drogen genommen. Außer nach der Schule, du weißt schon.“

Singer/Songwriter gibt es wie Sand am Meer, aber sicherlich nur wenige, die gleich zu Beginn eines Interviews mit dir über Weed reden und an deinem Spritzer trinken. Wer dieser großartige Mensch ist: Josef Salvat ist sein Name. Und es kann durchaus sein, dass ich ein bisschen auf ihn stehe. 

26 Jahre jung, british accent (oder, wie ich es nenne: Feuchte-Höschen-Akzent) und Lausbuben-Aura: Dem gebürtigen Australier, der seit 2012 in London lebt, sieht man gar nicht an, dass er jemals ernstgemeint eine Pop-Plattitüde wie „Diamonds“ covern würde. Aber spätestens, wenn man der Art und Weise lauscht, wie er „Find light in the beautiful sea, I choose to be happy“ haucht, wird klar, dass man es hier nicht mit einem weiteren Boyce Avenue zu tun hat. Thank god. Anders als dieser hat Josef Salvat es nicht nötig, sich auf das Covern von Songs zu beschränken: Seine eigene Schreibe ist nämlich gar nicht schlecht.

Dabei würde man ihn, rein optisch gesehen, eher in die Hipster-Schublade stecken, in die mit dem Folk drin, ein bisschen da, wo Mumford and Sons auch zuhause sind. Aber Salvat passt da irgendwie nicht rein. Auf seinem Track „Hustler“ singt er: „The mind says no sir, but the body says please, the heart stays silent, such a silent tease“ – Dieser kleine Mann scheint ein ziemlicher Banger zu sein. All das verpackt er in ästhetische, sehr plastisch formulierte Phrasen, ohne dabei kitschig oder verblümt zu wirken, ohne seine Authentizität zu verlieren. Sogar das abwechselnde Geschmuse mit Männlein und Weiblein im Video wirkt weniger konzipiert, sondern sexy. Salvat ist provokant, weil er kein Konzept hat – zumindest wirkt es nicht so.

by jessphotojones

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Auch hat er das, was Typen wie Hozier oder James Bay fehlt (zumindest im Image): Humor. In seinem Video zu „Open Season“ setzt er so ziemlich jedes Video-Klischee, das jemals existiert hat, plakativ in Szene und verschafft dem Zuseher so einen Zugang zum Thema Videodreh an sich. Storytelling 2.0. Er ist einer dieser Typen, an denen der Blick einfach hängen bleibt, die kein Problem damit haben, die eigene Legende zu töten, um etwas auszuprobieren. Ich komme also mit 28er-Spritzer in den Interviewraum am Frequency-Festival, wir reden über Alkohol, Drogen und Parties und ich weiß gar nicht mehr, warum eigentlich…

josefsinah

… Ein Bisschen Spaß muss sein, oder? Ein paar Drinks kann man sich schon genehmigen. Aber mehr nicht. 

Klar, nur Love & Happiness, haha! Ich habe noch nie Drogen genommen, außer nach der Schule, du weißt schon. Da hat man nur Freiheit und so im Kopf. Dann habe ich 5 Jahre wirklich gar nichts probiert. Dann habe ich meinen Plattenvertrag bekommen und angefangen, ein bisschen zu Kiffen. Aber das zählt ja nicht wirklich und ich mach’s auch nicht so oft. Hash ist meine äußerste Schmerzgrenze, ganz böses Zeug, da bin ich komisch drauf. Da ist nix mehr mit Love & Happiness!

(Die Lady von der Plattenfirma fragt uns auf, ob wir den Raum verlassen könnten, weil das Licht nicht funktioniert)

Stört’s dich?

Kein bisschen!

Mich auch nicht, ist ziemlich romantisch, oder?

Voll! Da komm ich gleich in Stimmung. Sag mal, seit wann lebst du jetzt in London?

Seit 2012. Mein Dad ist Australier aber seine Familie ist aus Spanien, deshalb bin ich zuerst nach Barcelona gezogen, um mit meinen Wurzeln in Verbindung zu kommen und um näher an England zu sein. Und in Barcelona hat man halt einen Strand! Den brauch ich, als Australier. Und dann kam London!

London ist sicher auch besser zum Arbeiten, oder?

Naja, das ist so eine Sache. Das Problem ist, ich hatte eine tolle Wohnung in Barcelona, weil nach dem Crash die Wohnungen recht günstig waren. Blöd war halt, dass es kaum Schalldämmung gab. Ich bin da also von Australien hingezogen, wo ich superviel Platz hatte und mich entfalten konnte – und plötzlich musste ich mit viel, viel weniger Platz auskommen. Ich schreibe meine Songs ja am Klavier und ich sag dir, das will keiner hören, wenn ich Songs schreibe. Das klingt anfangs immer so nach Walgeräuschen, aber es braucht einfach, bis man völlig reinkippt und sich selbst nicht verurteilt, du kennst das ja.

Ja, man reiht einfach mal seltsame Wörter und Phrasen aneinander.

Ja, genau! Ich hab dann bemerkt, dass das ganze verdammte Haus meinen Schreibe-Prozess mitverfolgen kann. Und unten im Haus war ein Hostel, plötzlich hat da jeder gelacht und applaudiert, die ganzen Backpacker haben mich gehört! Das war so peinlich!

Haha, vielleicht denken sie sich jetzt, wenn sie dich im Radio hören, „Hey, den Typ hab ich beim Songs schreiben gehört!“

Nein, ich befürchte, die können 2 und 2 nicht zusammenzählen…

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Und wie ist das Leben in London so?

Es ist absolut crazy! Aber wenn ich von der kreativen Seite ausgehe, ist es echt schwierig. Weil ich wirklich viel Ruhe und Platz und Isolation brauche, um Schreiben zu können. Und in einer Stadt ist das kompliziert, vor allem weil London superschnell ist und du nicht zur Ruhe kommst. Ich brauche das aber, um meine Gedanken zu fokussieren. Zum Schreiben ist London nicht unbedingt ideal. Aber zum Leben ist es lustig, an jeder Ecke gibt es Musik, Kunst, so viel Kultur und wenn du in der Nähe deiner Freunde wohnst, ist es wie ein großes Dorf.

Ich wollte auch immer nach London…

Wirklich? Was ist mit Berlin? Ich denke da auch grad drüber nach…

Ich bin öfter dort und ich mag’s immer mehr. Als ich das erste Mal in Berlin war, habe ich es GEHASST, haha. Aber mittlerweile liebe ich es!

Berlin hat einfach diesen Vibe, oder? Ich mag’s auch total gerne. Ich glaube auch, dass ich dort besser schreiben könnte, die Wohnungen sind auch besser isoliert, da könnte ich mich beim Schreiben richtig austoben.

Mal davon abgesehen, dass die Wohnungen viel, viel günstiger sind, als in London!

VIEL günstiger, ja. Ich mag dieses gechillte Feeling. London ist ja ziemlich kommerziell, was ja an sich cool ist, überall entsteht irgendwas, aber zum Schreiben finde ich es echt hart.

Vielleicht treffen wir uns ja mal in Berlin?

Das wäre cool!

Warst du eigentlich schon mal in Österreich?

Ich bin mal durchgefahren, als ich von Zürich nach München gefahren bin. Aber so richtig bin ich jetzt das erste Mal hier!

Woah, Premiere! Du bist ja auch ein Selfmade-Guy, der seine Mucke einfach online gestellt hat. Findest du, dass das Internet für Musiker vieles vereinfacht hat? Ist es Fluch oder Segen?

Ich finde, es ist beides. Ich weiß nicht, wie es sonst mit mir gelaufen wäre. Das Internet hat Musik demokratisiert, das auf jeden Fall. Das Problem ist halt, jeder kann Musik hochladen. Und da ist eben oft ziemlich viel Scheiße dabei! Die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen wird dadurch kleiner. Sie konzentrieren sich nicht mehr so richtig auf die Musik.

Wie war das mit dem „Diamonds“-Cover? Das muss ja ziemlich crazy gewesen sein, als das durch die Decke ging.

Das war… Strange! Als ich 2013 „This Life“ online gestellt habe, da hatte ich noch keine Community oder irgendwas, hat plötzlich hat das amerikanische Magazin „The Fader“ den Song erwähnt und da ging’s dann plötzlich los. Das war mein Moment. Bei „Diamonds“ hatte ich keinen Schimmer, dass das so abging! Und da habe ich die realen Auswirkungen auch erst danach wirklich gespürt, als ich weitere Sachen veröffentlich habe.

Das Internet ist schon eine eigenartige Parallel-Welt, oder?

Total!

(Ich werde schon das zweite Mal daran erinnert, dass meine Interview-Zeit vorbei ist)

Verdammt, ich glaube, wir müssen Schluss machen.

Das waren nicht mal 10 Minuten, Mann!

Schade, vielleicht klappt’s ja irgendwann mal in Berlin!

Upcoming Shows:

Montag, 26.10.2015 – Strom, München

Dienstag, 27.10.2015 – Zoom, Frankfurt

Mittwoch, 28.10.2015 – Luxor, Köln

Freitag, 30.10.2015 – Lido, Berlin (Pflichttermin!)

facebook.com/josefsalvatmusic

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