Mehr als vorzeitiger Samenerguss: Das Portrait der ersten großen Liebe

Junge Liebe ist eben doch ein bisschen mehr als vorzeitiger Samenerguss und nervöses Herumgefummle: Das zumindest zeigt die dänische Fotografin Karen Rosetzsky in ihrem intimen Portrait „Young Love“. Fast drei Jahre lang hat die Fotografin, die eigentlich in der Mode- und Musikfotografie zuhause ist, dafür junge Pärchen in Amsterdam, Berlin, Copenhagen, New Orleans, Prag, Paris und anderorts fotografiert.

Rosetzsky, die für ihre ehrliche, romantische Art zu fotografieren bekannt ist, hatte dabei nur echte Paare vor der Linse: Jungs und Mädels, alle zwischen 15 und 25 Jahre alt. „Mich hat die unverdorbene Chemie zwischen jungen Menschen immer schon fasziniert“, erklärt sie mir. „Für diese Strecke war ich auf der Suche nach verspielten Paaren, es war so motivierend und inspirierend, mit diesen positiven, jungen und warmherzigen Menschen zusammenarbeiten. Ich glaube, das sieht man auch an den Bildern“.

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Entstanden sind die Arbeiten immer in den privaten Räumlichkeiten der Paare: „In den intimen Lebensbereich anderer Menschen eingeladen zu werden, das ist etwas ganz besonderes für einen Fotografen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen Fremden sogar gerne ihre Geschichte erzählen und ihre Liebe zeigen. Ich war teilweise sehr erstaunt, wie schnell sich junge Menschen öffnen und alles von sich preisgeben. Das kann manchmal auch echt schräg sein.“

 Young_Love_Karen_Rosetzsky_Boris_and_David

Die erste Liebe ist für jeden Menschen etwas einmaliges. Es ist die Art von Liebe, bei der man sich noch ohne beschissenem Beziehungsballast hingibt, ehrlich und ohne Spielchen zu spielen. Man wünscht sich, dass alles, was danach kommt, auch so ist. Vor allem, wenn man sich Rosetzkys Arbeiten ansieht: Lomo und Sonnenlicht tauchen die leicht schmuddelige Nonchalance, das abgefucktes Setting und die gar nicht (noch nicht) abgefuckten Protagonisten, die Ikea-Regale, die Matratzen auf dem Fußboden, die Postkarten an den vergilbten Wänden, die Snapbacks, Crop Tops und das Schmusen am Strand in romantisches Pastell, der Begriff „rosarote Brille“ könnte die Stimmung nicht treffender bezeichnen. Die einen werden „Hipsterscheiße!“ rufen, aber das ist doch völlig egal. Diese Bilder erinnern nämlich daran, wie es sich angefühlt hat, jemanden zum ersten Mal richtig zu lieben. Man vergisst das nämlich, irgendwann.

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Beim Durchblättern von „Young Love“ fühlt man sich ein bisschen wie in einem Gedicht von Julia Engelmann: Konfetti und Glitzer, überall, und Lichtpunkte, die alles so schön filtern. Alles glänzt, vor allem die Augen der verliebten Paare, die noch keine Ahnung zu haben scheinen, wie scheiße weh es tun wird, wenn diese Liebe mal nicht mehr ist.

Young_Love_Karen_Rosetzsky_Marinelle_and_Jayandy

Man kann „Young Love“ sicher irgendwie als hipstereskes Potpourri betrachten, wenn man ein zynischer Arsch ist, der sich nicht an die eigene, erste Liebe erinnern kann (oder will). Oder man fühlt ein bisschen nach, erinnert sich, wie es denn damals für einen selbst war… und blättert sich mit romantisch-verklärtem Blick und melancholischem Grinsen auf den Lippen durch die 256 Seiten dieser ersten Lieben, die es so vielleicht nie mehr geben wird.

„Young Love“ von Karen Rosetzsky, € 35,-, erschienen im Halal Verlag und hier erhältlich.

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Young_Love_Karen_Rosetzsky_Marieke_and_Onur

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