Sonntag ist der schlimmste Tag der Woche.

Und also vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken – und verdammte die Menschheit für alle Ewigkeiten zum Sonntags-Blues. Scheiß Sonntage.

Es regnet. Draußen krächzen die Raben und verkünden das nahende Ende: Das Ende des Wochenendes. Endzeitstimmung. Sonntage sind ambivalent. Einerseits ist es schön, an verregneten Sonntagen mit jemandem im Bett zu liegen, zu schmusen und The National zu hören, Brötchen zu essen, Zeitung zu lesen und die letzten Stunden des süßen Nichtstuns zu genießen. Andererseits bringen Sonntage einen immer dazu, sich der Melancholie hinzugeben und das ganze Leben zu hinterfragen. Vor allem, wenn man mal nicht zu zweit im Bett liegt. Oder mit jemandem, mit dem man eigentlich gar nicht so gern im Bett liegen möchte.

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Manchmal hilft es, den Fernseher einzuschalten. Oder Netflix oder Spotify. Irgendwas, was einen aus dieser trübseligen Stimmung rausreißt und einen vergessen lässt, dass man eh irgendwie alles hat und gleichzeitig nichts. Spaziergänge sollen auch helfen, oder Tauben füttern oder Kindern am Spielplatz beim Glücklich sein zuschauen… Man bleibt im Bett oder auf der Couch und bestellt bei Foodora. Chinesisch. Der Glückskeks ist ein verdammter Klugscheißer.

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Für solche Tage bräuchte man eigentlich eine Katze. Die schnurren nämlich und das soll beruhigend auf Menschen wirken. Und Streicheln löst Oxytocin im Körper aus. Wobei, Kater machen alles noch schlimmer. Der Serotonin-Speicher ist leer. Die Haare und das Gewand stinken nach Rauch vom Fortgehen, die Schuhe sind dreckig und in der neuen Strumpfhose ist ein Brandloch. In der Handtasche kullern Kaugummipapier, Haarnadeln, Münzen, ein abgebrochener Lippenstift und übriggebliebene, nicht eingelöste Getränkemarken. Ein trauriger Anblick. Aber eine Reminiszenz an einen guten Abend.

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Leere Flaschen stehen am Gang und warten darauf, entsorgt zu werden. Putzen muss man auch noch. Das Vorhaben mit dem Fitnessstudio am frühen Morgen hat man irgendwann gegen 13.00 auf Montag verschoben, oder auf Dienstag, oder auf nächstes Wochenende, es zahlt sich heute eh nicht mehr aus. Warum hat man eigentlich eine Zwei-Jahres-Mitgliedschaft abgeschlossen? Das war eine Schnapsidee. Hätte man sich sparen können.

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Irgendwann um 17.00 herum findet man sich mit dem Schicksal ab. Morgen ist Montag, eine neue Woche beginnt. Das Hamsterrad dreht sich weiter, die Raben krächzen, ein paar Singvöglein zwitschern, man liefert sich ein vöglisches Gesangsbattle. Die Wolken hängen tief und der Himmel färbt sich dunkelblau. Morgen gibt es Sonnenschein.

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