Fuck the Fuckboys

Ich hatte mein gesamtes bisheriges Erwachsenenleben fast nur Beziehungen, in denen ich nicht respektiert (geschweige denn geliebt) wurde. Ich habe Typen ohne Job gedatet, ohne Manieren, ohne Respekt vor Frauen. Typen mit Freundinnen (manchmal sogar mehreren gleichzeitig, von denen ich erst später erfahren habe), Männer, die mir während dem Sex (!) von ihren Exfreundinnen erzählt haben, die mir ihre Verlobte und sogar gemeinsame Kinder verschwiegen haben. Männer, die glauben, Sex müsse wie im Porno ablaufen. Typen, die mich jedes Mal dazu gebracht haben, ihre Fehler bei mir zu suchen und das auch geschafft haben. Im Nachhinein frage ich mich, warum ich mir diesen Scheiß so lange angetan habe.

Oft verwechselt man Narzissmus mit Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeit mit Liebe. Man gibt Menschen einen Platz im eigenen Leben, die einem nicht gut tun. Die das Schlimmste in einem hervorrufen. Menschen, die einen so lange bearbeitet haben, bis sie einen da haben, wo sie einen haben wollen und sich dann doch wieder verpissen. Ich bin froh, dass jedes Mal irgendwann der Punkt erreicht war, an dem ich meine Würde wieder gefunden habe und mir gedacht habe, „Fuck you. Es reicht jetzt.“

Empathische, sensible Menschen sind für narzisstische Fuckboys ziemlich leichte Beute. Diese faszinierende, destruktive Aura hat mich jedes Mal magisch angezogen. Von ihnen geht ein Ruf aus einer anderen, mysteriösen, düsteren Welt aus und man will nichts lieber tun, als diesem Ruf folgen und sie vor sich selbst zu retten. Nichts Gutes kommt von diesem Ort, an dem diese Menschen ihre ganze Unsicherheit, ihre Ängste, ihre Erfahrungen weggesperrt haben. Ich war unten, ganz tief drin, in ihrer düsteren, eiskalten Welt, in der nichts und niemand zählt – außer sie selbst.

Das schlimmste sind die Zweifel am eigenen Urteilsvermögen: „Wieso suche ich mir immer diese kaputten, gestörten Menschen aus?“ Ein Satz, den ich sehr oft gesagt und auch zu hören bekommen habe. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob nicht ich diejenige war, die ausgesucht wurde. Eben weil ich nicht in der Lage war, Grenzen aufzuziehen. Weil ich dieses unsägliche Scheißverhalten ständig akzeptiert habe, ohne  zu hinterfragen, was es mit mir macht.

Es scheint, dass wir alle menschliche Ersatzteillager geworden sind, die, je nach Vereinbarung, Vagina, Titten, Arsch, Penis, Lippen, Ego, Würde, Zeit und/oder Liebe auf Zeit zur Verfügung stellen, unter der Bedingung, bloß nichts zu erwarten und cool zu sein. Mal ganz easy schauen, wie sich das so entwickelt. Alles entspannt. Nur nichts überstürzen. Eine ganze Generation schreibt sich „Ist doch nur Sex!“ auf die Fahne, die triumphal geschwenkt wird, während man zu „Young, Wild and Free“ mitgrölt, sich Gin Tonics reinkippt und so tut, als ob die Nacht unendlich wäre und das Leben immer so unbeschwert bleiben würde.

Nur – das bleibt es nicht. Jede Kerbe im Bettpfosten, jede gescheiterte Beziehung, jede unerfüllte Liebe hinterlässt eine Narbe auf der Seele. Manche sind weniger tief, weniger offensichtlich, aber trotzdem sie sind da. Und man nimmt sie überall hin mit.

Im vergangenen Jahr habe ich für mich beschlossen, mehr Verantwortung für mich selbst zu übernehmen. Ich habe angefangen, selber zu bestimmen, wie ich Leute mit mir umgehen lasse. Ich habe gelernt, dass man sehr wohl aktiv mitbestimmen kann, wie man behandelt wird. Jahrelang war ich damit beschäftigt, Ausreden für das teilweise unpackbare Verhalten meiner Partner zu finden und mich selbst als ach so unabhängig zu inszenieren, während ich eigentlich auch gerne manchmal jemanden gehabt hätte, der mir zeigt, dass ich mal schwach, verletzlich und menschlich sein darf. Das passiert, wenn man nicht einfordert. Wenn man nicht verbalisiert, was man will und sich unterwirft, weil man glaubt, man verdiene nichts Besseres.

Ich war so geblendet von vermeintlicher Coolness der lederjackentragenden, tätowierten und dauerbesoffenen oder bekifften Fuckboys, von all den Erwartungen, die die Gesellschaft an junge Menschen stellt (nämlich: sich auszuleben, um jeden Preis), dass ich vergessen habe, überhaupt danach zu fragen, wie hoch der Preis ist und ob dieser Lifestyle überhaupt was für mich ist.

Diese Art gefährlicher, destruktiver Beziehung, die man sucht, hat man meistens auch zu sich selbst. Wer sich selber keinen Wert beimisst, erscheint in den Augen dieser Charaktere wertlos. Die Beziehung, die man zu sich selbst hat, ist die einzige, an der man in diesem Fall arbeiten muss. An der Beziehung zu einem Fuckboy will man gar nicht arbeiten. Er wird sich nie ändern. Nicht für dich und auch für sonst niemanden. Vergiss ihn einfach.

Ich habe keine Toleranz mehr für Bullshit, keine Zeit für Menschen, die sich nicht mit ihren eigenen Gedanken auseinandersetzen wollen, sich deshalb von einer bedeutungslosen Geschichte in die nächste flüchten und das bisschen Anerkennung, das sie dort finden, einkassieren und anderen Menschen ihre Unverdorbenheit und Fähigkeit, zu vertrauen rauben, dabei so tun, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Als seien sie verlorene Seelen, auf der Suche nach irgendjemandem, der sie rettet. Go save your-fucking-self.

Ich werde nicht mehr versuchen, irgendjemanden vor sich selbst retten. Man kann sicher auch Affären, Romanzen, große Liebesgeschichten erleben, ohne daranzu zerbrechen und als völliges Wrack am Boden zerstört zu sein. Liebe, Sex, Beziehungen – das soll bereichern, inspirieren,  nicht kaputtmachen. Wer destruktive Liebe sucht, sucht Selbstzerstörung.

Aber es muss  nicht weh tun, wenn man jemanden mag. Und es muss auch nicht weh tun, man selbst zu sein.

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