Eifersucht: Das giftigste Gefühl der Welt

Ich habe große Angst davor, verletzt zu werden. Diese Angst lässt mich manchmal Absurdes tun. Drama kreiere ich nur zum Spaß, meistens in meinem Kopf. Diese negativen Gedankenspiralen machen mich fertig und trotzdem kann ich nicht anders, als mir das Allerschlimmste vorzustellen. Wenn der Hurrikan in meinem Kopf vorüber ist, ich sachlich darüber nachdenke, schäme ich mich – schon wieder Drama wegen nichts.

Eifersucht ist meistens einfach nur viel Wind um nichts. Sie wird von Verlustängsten und Unsicherheit gespeist und bis man selber mal draufkommt, dass man Verlustängste hat, vergeht oft viel Zeit – und etliche Beziehungen. Verlustängste quälen mich schon lange und ich weiß, dass die Lösung des Problems relativ einfach wäre: Man muss einfach aufhören, sich diesen Gedanken hinzugeben. Fühlt sich ähnlich an wie Flugangst: Bei der kleinsten Erschütterung kann man das Kopfkino nicht mehr abstellen. Die Gedankenspirale dreht sich immer weiter und fokussiert auf das worst case scenario, dessen Ausgang nicht einmal annähernd vorherbestimmt ist. Mich fallen zu lassen fällt mir schwer. Manchmal schaffe ich das sehr gut, ohne Probleme. Dann regt sich in mir monatelang kein Gefühl der Eifersucht. Manchmal habe ich Phasen, in denen schaffe ich es überhaupt nicht, loszulassen. Meistens dann, wenn ich mit mir selber nicht cool bin, wenn ich mich unattraktiv und minderwertig fühle. Solche Phasen sind manchmal normal, aber ich muss mich trotzdem immer wieder rausziehen, aus diesen Spiralen. Ich fühle, wie diese ganze Negativität dann in meinem Organismus rotiert und alles in mir vergiftet. Wie sie mir meine Fähigkeit nimmt, zu vertrauen und die Dinge realistisch zu sehen.

Ich habe für das wunderbare Salzburger Magazin QWANT den vermutlich persönlichsten Artikel seit sehr langer Zeit geschrieben und war mir anfangs gar nicht sicher, ob ich darüber schreiben will. Man muss schon sehr ehrlich zu sich selber sein, wenn man auch ehrlich darüber schreiben will. Das fiel mir anfangs schwer und ich war mir bis zum Abschicken des Textes nicht sicher, ob ich will, dass jemand das liest. Aber Eifersucht ist eben ein nicht vernachlässigbarer Teil meines Verhaltensmusters. Je mehr ich diese Gefühle verleugne, desto schlimmer wird’s. Ich versuche, diesem lästigen Gefühl nicht zu viel Raum zu geben und kein Drama zu machen, schon gar nicht in meiner Beziehung, aber manchmal fällt es mir schwer, gewisse Gedanken zu kontrollieren. Natürlich weiß ich, dass das komplett verschwendete Energie ist aber oft habe ich das Gefühl, ich kann nicht anders, als mich ihr hinzugeben.

Es war also höchste Zeit, ehrlich mit mir selber zu sein. Bei der Recherche für den Artikel hatte ich zwei sehr aufschlussreiche Interviews mit PsychologInnen, die Eifersucht als teilweise narzisstisch veranlagtes Gefühl und Unsicherheit bezeichnet haben. Das könnt ihr alles in dem QWANT-Artikel nachlesen. Ich hatte etliche „Aha!!?“-Momente während dieser doch sehr persönlichen Gespräche, die sich für mich wie kleine Therapiesitzungen anfühlten. In jedem Fall ist Eifersucht das Gefühl, dass Beziehungen am meisten nachhaltig schädigen kann, wenn man nicht lernt, sich selbst zu kontrollieren. Man schadet sich damit nur selber.

Die wenigsten Dramen in meinem Kopf bespreche ich tatsächlich mit meinem Freund. Er ist zwar der verständnisvollste Mann der Welt, der mich immer in den Arm nimmt und mir meine eigenen Gefühle auf derart logische und für mich nachvollziehbare Art erklärt, dass es mich immer beruhigt. Aber ich will ihn einfach nicht mit jeder Kleinigkeit volltexten. Stattdessen versuche ich eben, zu lernen, mich zu kontrollieren. Ich rede mir selber gut zu, wenn ich die Eifersucht in mir hochsteigen fühle. Mein neuester Trick ist, dass ich diese Seite an mir annehme und sogar darüber scherze. Je normaler ich damit umgehe, desto irrelevanter wird das Gefühl für mich. Je mehr ich mich vor der nächsten Eifersuchtsattacke fürchte, desto mehr Macht bekommt das Gefühl über mich und meine Gedanken. Ein Teufelskreis.

Eifersucht ist das giftigste und gefährlichste aller Gefühle und ich bin mir sicher, man kann und muss lernen, mit der eigenen Eifersucht umzugehen. Auf keinen Fall müssen andere damit umgehen lernen. Das ist ein Problem, das ganz bei einem selber liegt und es bringt nichts, wenn der eigene Freund zum Beispiel nicht mehr fortgehen oder andere Frauen hübsch finden darf. Ich muss immer noch lernen, Verantwortung für meine eigenen Gefühle zu übernehmen und anstatt motzig oder passiv aggressiv zu reagieren, ehrlich zu sagen, was und warum mich etwas verletzt. In gesunden, erwachsenen Beziehungen ist Eifersucht oft unbegründet und kleine Missverständnisse, die von der einen Seite extremer aufgefasst und bis zum fetten Drama aufgeblasen werden.

Ich weiß gut, wie hart es ist, diesen Ärger verrauchen zu lassen, es gelingt mir selber oft nur bedingt. Trotzdem tut man sich selber einen großen Gefallen, wenn man diese Seiten an sich annimmt und hinterfragt, woher das Gefühl kommt: Welche Muster wiederholen sich da? Welche Situationen, Aussagen, Taten aus vorigen Beziehungen haben diese Gefühle ausgelöst? Liegt der Grund für Eifersucht in der Kindheit, in der Familie? Und am wichtigsten: Was kann man selber beitragen – und wie viel Verantwortung liegt tatsächlich beim Partner?

Das schlimmste, das man machen kann, ist, Eifersucht zu unterschätzen. Wenn das Gefühl dermaßen überhand nimmt, dass man tage- oder wochenlang nur mehr darüber nachdenkt, sollte man sich überlegen, ob man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen möchte. Es ist weder verwerflich noch peinlich, sich Hilfe und Tipps zu holen – es sind Werkzeuge, die man an die Hand bekommt, um mit Situationen und Gefühlen besser umgehen zu können. Ich kann mich durch meinen Beruf glücklich schätzen, denn ich schreibe viel über Psychologie und Gesundheit. Mit Ärzten und PsychologInnen zu sprechen ist für mich Alltag. In Wien kann ich euch zum Beispiel Phychotherapeut Christian Beer vom Institut Wiener Couch empfehlen: Ein cooler, bodenständiger Typ, der einem zur ein oder anderen spannenden Erkenntnis verhelfen könnte. Bei weiteren Fragen könnt ihr mich natürlich gerne jederzeit per Mail und auf Social Media kontaktieren. Ich weiß, wie schlimm Eifersucht ist und helfe euch gerne, soweit ich kann, weiter.