Anzeige: Wie berechtigt ist die Pillen-Skepsis wirklich? 

Dieser Beitrag ist unterstützt durch Jenapharm.

Die Pille als Verhütungsmethode wird bei vielen Frauen immer unbeliebter. Doch warum eigentlich? Und gibt es überhaupt seriöse Alternativen? Ein Versuch, die steigende Pillen-Skepsis zu erklären und warum natürliche Verhütungsmethoden trotzdem nicht ausreichend Schutz vor ungewollten Schwangerschaften bieten

 

Die Wahl der Verhütungsmethode ist sehr individuell. Zu den „beliebtesten“ Methoden zählen, laut österreichischem Verhütungsreport, das Kondom (38 %), die Pille (34 %), die Hormonspirale (6 %) und das berühmt-berüchtigte „Aufpassen“, also der CoitusInterruptus (5 %). Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind Kondom (56 % bzw. 46 %) und Pille (52 %) die am weitesten verbreiteten Verhütungsmethoden.

Für manche Frauen ist die Pille die optimale Verhütungsmethode: Frauen, die starke Menstruationsbeschwerden haben, die regelmäßigen Geschlechtsverkehr haben und keinesfalls schwanger werden wollen, die nicht unter einem erhöhten Thromboserisiko, Libidoverlust oder Depression leiden oder auch für viele junge Frauen, die bei Verhütung wirklich auf Nummer sicher gehen wollen. 

Als „sehr wirksame“ Verhütungsmittel gelten dem österreichischen Verhütungsreport nach die Hormonspirale, die Dreimonatsspritze, Sterilisation und Kupferspirale

Wie sicher ein Verhütungsmittel ist, das gibt der Pearl-Index an. Der Pearl-Index klassifiziert die Zuverlässigkeit der Methode je nach ungewollten Schwangerschaften pro 100 Frauen. Je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer ist die Methode zur Empfängnisverhütung. Laut Verhütungsreport sind Methoden unter 4 „sehr wirksam“: Dazu zählen beispielsweise die Hormonspirale, die Dreimonatsspritze, Sterilisation und Kupferspirale. Die Pille ist dem Pearl-Index zufolge ein „wirksames“ Verhütungsmittel mit einem PI zwischen 4–10. Das Kondom gilt, zum Vergleich, als „mäßig wirksam“ (PI 10–20) und Coitus Interruptus, Selbstbeobachtung und Tagezählen als „wenig wirksam“) (PI >20). 

Die Wahl der Verhütungsmethode ist sehr individuell und hängt von der physischen und psychischen Konstitution sowie von den Lebensumständen der Frau ab

Trotzdem wurden Stimmen gegen die Pille, vor allem in den letzten Jahren, immer lauter. Laut Verhütungsreport nahm die Anzahl der Frauen, die mit hormonell wirksamen Methoden (also Pille, Hormonspirale, Dreimonatsspritze, Hormonstäbchen, Verhütungsring und –pflaster) verhüten, sukzessive ab: 2012 verhüteten noch 60 % hormonell, 2019 waren es 48 %. Parallel dazu kam es aber nur zu einer geringen Zunahme an hormonfreien Methoden. Etwa 63 % aller Pillenanwenderinnen, die in den letzten zwei Jahren die Verhütungsmethode gewechselt haben, sind Jenapharm zufolge von der Pille auf das Kondom umgestiegen. Insgesamt verhüten aktuell ca. 25% aller Frauen mit dem Kondom – mehr als die Hälfte davon ist aber mit dieser Verhütungsmethode unzufrieden. Auch sind Pillenanwenderinnen unzufriedener, was ihre Verhütungsmethode betrifft, als Frauen, die sich mit der Hormonspirale vor ungewollten Schwangerschaften schützen. Was steckt hinter dieser Pillen-Skepsis und woher kommt das Misstrauen gegen hormonelle Verhütungsmethoden?

Pillen-Skepsis ist tatsächlich in manchen Fällen nicht unbegründet. Dass die Einnahme der Pille Thrombosen begünstigen kann, zu Libidoverlust und Lustlosigkeit führen kann, wurde medial immer häufiger diskutiert. Ein schwieriges Thema bleibt die Pillen-Skepsis trotzdem. Denn unreflektiert gegen die Pille im Allgemeinen zu hetzen, ist meiner Meinung nach falsch. Man darf nicht vergessen, dass die Pille für Frauen ein Befreiungsschlag in Sachen sexueller Unabhängigkeit war und ist, dass sie bei korrekter Einnahme wirksamen Schutz gegen ungewollte Schwangerschaften bietet, dass die Einnahme bei vielen Frauen relativ unproblematisch verläuft und dass die Pille starke Menstruationsbeschwerden lindern kann. Was ich immer vermisst habe, in diesen Diskussionen, war eine ernsthafte, individuelle Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen von Frauen, unter Berücksichtigung jeglicher medizinischen Faktoren und der persönlichen Lebensumstände. Und: Man darf nicht vergessen, dass die Pille eben ein Medikament ist und nicht irgendein magisches Zuckerl, mit dem man durch Zauberei keine Babies bekommt. Sich selber mit möglichen Wirkungen und Nebenwirkungen auseinanderzusetzen, ist auch die Pflicht der Patientin.

Man darf nicht vergessen, dass die Pille für Frauen ein Befreiungsschlag in Sachen sexueller Unabhängigkeit war und ist, dass sie bei korrekter Einnahme wirksamen Schutz gegen ungewollte Schwangerschaften bietet

Pille ist nicht gleich Pille: Es gibt gewaltige Unterschiede zwischen den einzelnen Präparaten. Kombipräparate zum Beispiel bestehen aus dem weiblichen Sexualhormonen Östrogen und einem synthetischen Gelbkörperhormon (Gestagen). Diese werden vor allem jungen Frauen häufig verschrieben und verhindern den Eisprung. Die Pille wird in der Regel drei Wochen lang durchgehend eingenommen, danach wird eine Woche mit der Einnahme pausiert, in der die Blutung stattfindet. Bei diesen Pillen, aber auch beim Verhütungsring und –pflaster, ist das Thromboserisiko größer als beispielsweise bei östrogenfreien Präparaten. Diese sind vielen auch als „leichte Pille“ bekannt und enthalten nur Gestagene, also generell weniger Hormone. Die Gestagenpille muss über 28 Tage ohne Pause eingenommen werden. Die Minipille unterscheidet sich davon nochmal, in dem sie nicht immer eisprungverhindernd wirkt, sondern durch eine Veränderung des Gebärmutterschleims, die Einnistung einer Eizelle verhindert. Der Nachteil bei der Minipille ist jedoch, dass schon eine geringe Verschiebung bei der Einnahmezeit die Wirkung herabsetzen kann. Ihr PI liegt bei perfekter Anwendung etwa bei 1,5.

Der Grund, warum ich selbst vor etwa sieben Jahren die Pille abgesetzt habe, war eigentlich ein trauriger für mich, denn ich habe sie nach dem Ende meiner Beziehung abgesetzt. Ich wollte nicht täglich daran erinnert werden, dass ich keinen Partner mehr habe und ein wirklicher Bedarf an einer konstanten Verhütungsmethode bestand zu dem Zeitpunkt nicht mehr, das wusste ich. Alles in allem war mein Grund, mit der Pille aufzuhören, ein recht emotionaler und weniger ein gesundheitlicher. Dennoch bemerkte ich Veränderungen an meinem Körper: Nachdem ich aufgehört hatte, das Kombipräparat einzunehmen, gingen meine Hautprobleme los. Außerdem wurden meine Menstruationsbeschwerden von Monat zu Monat heftiger. Ich bemerkte aber auch, dass dieses Gefühl von „schweren Beinen“ zunehmend verschwand und dass ich mich sexuell wieder lebendiger fühlte. Es war, als ob ich von einem Winterschlaf erwachte. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch nicht daran, dass mein geschwundenes sexuelles Interesse eventuell mit der Einnahme der Pille zusammenhängen könnte. Als ich mich mit Freunden darüber unterhielt, pflichteten mir viele bei. Auch sie hatten ähnliche Erfahrungen gemacht. 

Libidoverlust kann eine mögliche Nebenwirkung der Pille sein. Für mich war das zwar kein ausschlaggebender Grund, die Pille abzusetzen, jedoch war es durchaus ein Grund, nicht wieder mit ihr anzufangen. Irgendwie signalisierte mir mein Körper, dass er sich eine Pause von den ständigen Hormonen wünscht. Rückblickend habe ich das Gefühl, dass mir eine Pille verschrieben wurde, die einfach nicht optimal für mich war. In letzter Zeit habe ich jedoch öfter darüber nachgedacht, einer anderen hormonellen Methode eine Chance zu geben. Vor allem aufgrund meiner Beziehungssituation und meiner starken Menstruationsbeschwerden.

Trotzdem gilt: Die Pille ist bei richtiger Anwendung ein zuverlässiges Verhütungsmittel. Jede Pille wirkt unterschiedlich, weil auch jeder Körper unterschiedlich darauf reagiert

Meiner Meinung nach klären zahlreiche Frauenärztinnen und -ärzte nicht ausreichend über die Pille, die unterschiedlichen Präparate und ihre möglichen Nebenwirkungen auf. Ich selbst hatte zum Beispiel nie das Gefühl, ausreichend über mögliche Risiken, wie Thrombosen, oder über hormonelle Verhütungsalternativen zur Kombi-Pille Bescheid zu wissen. Gegen diese blinde Pillen-Skepsis spricht aber, dass es viele Frauen gibt, die seit Jahren die Pille einnehmen und überhaupt keine Nebenwirkungen verspüren. Deshalb bin ich der Meinung, dass man mit dieser steigenden Pillen-Skepsis vorsichtig sein sollte. Jede Pille wirkt unterschiedlich, weil auch jeder Körper unterschiedlich darauf reagiert. Mir wäre damals schon sehr geholfen gewesen, wenn meine Ärztin mir Alternativen aufgezeigt hätte. Denn um diese Veränderungen selbst festzustellen, dafür war ich mit 17 Jahren eindeutig zu jung und zu unerfahren. 

Ich würde mir wünschen, dass ÄrztInnen die Grundkonstitution und den Lifestyle ihrer Patientin bei der Beratung der Verhütungsmethode genauer analysieren und die Pille nicht einfach so pauschal, aufgrund von Hautproblemen, verschreiben würden. Natürlich soll das nicht bedeuten, dass der Zugang schwergemacht werden soll, auf keinen Fall. Aber wenn mir ein 17-jähriges Mädchen ohne Menstruationsbeschwerden gegenübersitzt, die alle drei Monate einmal Sex hat, muss man sich eben fragen, ob eine konstante Medikamenteneinnahme als Verhütungsmethode wirklich die geeignetste Methode ist.