Alternative Verhütung: Alles über die Kupferspirale

Hormonfreie Verhütung liegt immer mehr im Trend: Vor einiger Zeit habe ich Instagram eine kleine Umfrage zum Thema Verhütung durchgeführt, weil ich herausfinden wollte, wie junge Frauen in meinem Alter über Verhütung denken und welche Methoden gerade  gefragt sind. Vor allem das Interesse an Kupferpräparaten war sehr groß. Deshalb habe ich eine Frauenärztin interviewt: Alles, was man über Kupferpräparate wissen sollte

Wie denken junge Frauen über Verhütung? Warum sind Hormone plötzlich so „unsexy“ geworden? Und was können die „neuen“ Verhütungsmethoden? Vor einigen Wochen habe ich auf Instagram eine Umfrage zum Thema Verhütung durchgeführt und meine Follower in meinen Instagram Stories gefragt, wie zufrieden sie grundsätzlich mit ihrer Verhütungsmethode sind. Die Ergebnisse dieser Umfrage möchte ich einleitend mit euch teilen: 70 % gaben an, „sehr zufrieden“ (=81) zu sein, 30 % möchten die Verhütungsmethode wechseln (=35). Die am häufigsten genannten Verhütungsmittel waren dabei die Pille, Kondome, Kupferspirale, Kupferkette und die Goldspirale. Als ich die Frauen gefragt habe, was sie grundsätzlich von hormoneller Verhütung halten, gaben 77 %, das entsprach 111 Frauen, an, Hormone würden „niemals“ für sie infrage kommen. 23 % (=33) gaben an, mit hormoneller Verhütung zufrieden zu sein. Bei der Frage, was ihnen wichtiger ist, antworteten 72 % (=92 Frauen), dass ihnen „Sicherheit“ wichtiger ist, 28 % (=36) antworteten „Natürlichkeit“. Dass ihr natürlicher Zyklus erhalten bleibt, ist 76 % (=97) „sehr wichtig“ und 24 % (=31) eher „egal“. Dass ihre Verhütungsmethode keine oder kaum Hormone enthält, war 87 % (=97) wichtig. 13 % (=14) antworteten, dass es ihnen wichtig ist, durch ihre Verhütungsmethode verminderte Menstruationsbeschwerden zu haben. Als ich die Frauen gefragt habe, über welche Verhütungsmethode sie gerne mehr erfahren würden, antworteten mir mehr als Sechzig Frauen, dass sie sich für die Kupferspirale interessieren. Deshalb habe bei Frau Dr. Eva Lehner-Rothe, einer Wiener Frauenärztin, angefragt, ob sie mir für ein Interview zur Verfügung stehen würde.

Ich hatte bereits einige Interviews mit der Ärztin geführt und sie erschien mir als äußerst kompetent, offen und ehrlich. Sie erklärte mir: „Es gibt verschiedene Kupferpräparate, am bekanntesten sind die Kupferspirale, die Kupferkette und der Kupferperlenball„, erklärt sie mir. In der Fachsprache zählt die Kupferspirale, wie auch die Hormonspirale, zu den Intrauterinpessaren (IUPs). Diese bezeichnen Medizinprodukte, die zur Empfängnisverhütung in die Gebärmutter eingesetzt werden. Während die Hormonspirale kontinuierlich und über einen bestimmten Zeitraum Hormone abgibt, die eine Empfängnis verhindern, wirken Kupferpräparate völlig hormonfrei. „Kupferspirale und Kupferperlenball unterscheiden sich in ihrer Wirkung nicht. Nur ihre Form ist anders. Kupferpräparate haben einen ähnlichen Pearl Index wie die Pille bei korrekter Einnahme. Die Hormonspirale gilt aber als sicherer als die Kupferspirale.“ Vor dem Einsetzen muss ein Krebsabstrich gemacht werden oder ein Abstrich gemacht worden sein, der nicht älter als sechs Monate ist. Im Gespräch wird die Patientin dann von Dr. Lehner-Rothe über die Wirkung von Kupferpräparaten aufgeklärt und es wird ein Termin zum Einsetzen vereinbart.

„Ein großes Thema ist die Schmerzhaftigkeit des Eingriffs“, so die Ärztin. „Es gibt durchaus Patientinnen, die massive Schmerzen verspüren. In meiner Praxis biete ich das Einsetzen deshalb auf Wunsch unter Anästhesie an. Dabei wird den Patientinnen von einer Anästhesistin Propofol injiziert, es folgt ein kurzer Dämmerschlaf, bei dem die Patientin nichts spürt. Der Eingriff selbst dauert etwa fünf Minuten, dann wird die Patientin wieder aktiv aufgeweckt.“ Danach bleiben die Frauen kurz zur Beobachtung im Wartezimmer und dürfen im Anschluss in Begleitung wieder heimgehen. Der Schmerz beim Einsetzen ist zwar kurz, aber intensiv, weshalb sich Dr. Lehner-Rothe entschlossen hat, die Möglichkeit der Anästhesie anzubieten: „Die Angst vor dem Schmerz sollte kein Grund sein, warum man sich kein Kupferpräparat einsetzen lässt, denn für viele Frauen ist diese Verhütungsmethode sehr gut geeignet und verträglich.“

Die Ärztin erklärt, dass es nach dem Eingriff zu einem Nachkrampfen der Gebärmutter kommen kann: „Das kann zwar sehr unangenehm sein, ist aber kein Grund zur Besorgnis. Die Patientinnen erhalten deshalb von mir nach dem Eingriff eine Schmerztablette für das Einnehmen zuhause, damit sie keine Schmerzen haben.“

Kupferpräparate geben also keine Hormone ab sondern verhindern das Weiterwandern der Spermien und die Einnistung einer eventuell befruchteten Eizelle: „Durch die Kupferionen wird das Milieu in der Gebärmutterhöhle so verändert, dass die Spermien nicht weiterwandern können. Sollte es  ein Spermium trotz Kupferpräparat doch geschafft haben, die Eizelle zu befruchten, so wird durch das Kupfer die Einnistung verhindert.“ Somit wird die Schwangerschaft „doppelt“ verhindert – was für manche Frauen durchaus ein ethisches Problem darstellen kann. „Deshalb muss man sie genau über die Wirkungsweise informieren.“

Ein Vorteil des Kupferpräparats ist: Besteht ein Kinderwunsch, kann das Verhütungsmittel entfernt werden und die Frau könnte theoretisch sofort schwanger werden: „Bei manchen Hormonpräparaten kann es dagegen länger dauern, bis sich der Zyklus wieder eingependelt hat.“

Im Gespräch mit einigen Frauen haben diese öfter die Sorge geäußert, dass Kupferpräparate im Körper verrutschen und möglicherweise sogar gefährliche Verletzungen verursachen könnten. Das „Rausfallen“ einer Spirale könne immer passieren, ein „Durchstoßen“ oder „Durchwandern“ der Gebärmutter sei aber unwahrscheinlich, erklärt die Ärztin. Deshalb ist es für Spiralträgerinnen sehr wichtig, den Sitz und die Lage der Spirale regelmäßig bei dem/der ÄrztIn kontrollieren zu lassen. „Die Spiralträgerin kann auch selbst anhand des Rückholfadens ein eventuelles Verrutschen bemerken, wenn sich der Faden in seiner Länge verändert.“

Etliche Frauen haben mir berichtet, dass ein Verrutschen ihres IUPs durch das Vakuum bei der Verwendung von Menstruationstassen passiert sein könnte: Falls ihr Menstruationstassen gemeinsam mit einem IUP verwenden wollt, redet bitte vorher unbedingt eure Ärztin/euren Arzt!

Auch beim Wechsel des Kupferpräparats sollte frau keine Experimente wagen: „Kupfer korrodiert und wird rostig, deshalb muss es nach fünf Jahren getauscht werden. Anders als bei der Hormonspirale, bei der nach Ablaufen der Wirkungsdauer kein Schutz vor einer Schwangerschaft mehr gegeben ist, endet die Wirkung der Kupferspirale theoretisch nicht einfach nach fünf Jahren. Trotzdem sollte man ein Kupferpräparat nicht länger tragen.“ Eine Goldspirale besteht übrigens ebenfalls aus Kupfer, hat aber zusätzlich einen Goldfaden eingebunden, beziehungsweise hat der Kupferfaden einen Goldkern, der die Korrosion des Materials hinauszögert und für längere Beständigkeit sorgt.

Ich habe öfter in Gesprächen gesagt bekommen, dass Frauen, die (noch) keine Kinder haben, keine Spirale eingesetzt werden kann und frage die Ärztin danach: „Dass kinderlosen Frauen keine Spirale eingesetzt werden kann, ist ein Mythos“, erklärt sie mir. Viele ihrer Patientinnen seien Anfang 20 und wünschen sich einen Umstieg von Hormonpräparaten. Sie warnt vor der Verteufelung von Hormonpräparaten: „Viele glauben, die Pille ist per se „schlecht“. Manche verspürten tatsächlich Nebenwirkungen – oft merkt man den Unterschied erst nach dem Absetzen. Aber für manche änderte sich nach dem Absetzen der Pille gar nichts. Einerseits ist es natürlich super, dass Frauen anfangen, sich mit möglichen Nebenwirkungen auseinanderzusetzen, aber man darf trotzdem nicht vergessen, dass viele Frauen Hormonpräparate gut vertragen und keine Nebenwirkungen davon haben.“

Die ideale Verhütung gäbe es für jede Frau und trotzdem ist nicht jede Art der Verhütung für jede Frau geeignet. „Wichtig ist, dass man sich vorher ausführlich beraten lässt und dass die Patientin dem oder der Ärztin wirklich genaue Informationen gibt. Frauen, die unter starken Regelschmerzen leiden, denen würde ich zum Beispiel niemals ein Kupferpräparat empfehlen. Die Monatsblutungen werden durch Kupferpräparate, zumindest in den ersten Monaten nach dem Einsetzen, länger und schmerzvoller„, warnt die Ärztin. „Das würde ich mir von einer Patientin sogar schriftlich geben lassen, dass sie das wirklich will. In so einem Fall würde ich zu anderen Verhütungsmitteln raten. Deshalb finde ich es auch gefährlich, gegen Hormonpräparate im Allgemeinen zu hetzen. Wenn eine Frau ein Hormonpräparat, sei es die Pille oder die Hormonspirale, gut verträgt und damit zufrieden ist, dann würde ich ihr keinen Wechsel ihrer Verhütungsmethode vorschlagen.“

Eine Fünf-Jahres-Kupferspirale kostet etwa € 300,–, die Hormonspirale ist mit ca. € 500,– (je nach Anbieter) etwas teurer.

Werbeanzeigen