Beziehungsfehler, die jeder kennt

„Es passt einfach nicht mehr“, „Wir haben uns auseinandergelebt“ oder man gibt einfach dem Partner die Schuld: Wer zu faul ist, an seiner Beziehung zu arbeiten, der findet garantiert einen Weg, sich mit faulen Ausreden aus der Affäre zu ziehen. Dabei tragen beide Schuld daran, wenn es „nicht mehr passt“. Fehler werden gemacht, Gefühle werden verletzt, man spricht nicht offen darüber und irgendwann ist eben Schluss.

Fehler. Niemand macht gerne Fehler. Noch weniger gern gibt man zu, einen Fehler gemacht zu haben – schon gar nicht in Beziehungen. Da sind meist die Umstände schuld: die viele Arbeit, die falschen Freunde, die nervige Familie, der furchtbare Partner. Früher hat es mich wahnsinnig gestört, wenn jemand behauptete: In einer Beziehung muss man sich auch mal zusammenreißen können. Heute würde ich das genau so unterschreiben.

Vor eineinhalb Jahren habe ich den Mann kennengelernt, der es mir wert war, mein siebenjähriges Single-Dasein zu beenden. Ein bisschen eye opening waren diese eineinhalb Jahre, die wir jetzt zusammen sind, schon. Denn ich habe nicht nur meinen Partner sondern auch mich selbst besser kennengelernt. Ich weiß jetzt, wo meine Unsicherheiten, meine „Schwächen“, meine schlimmsten Ängste liegen. Ich habe mein eigenes Beziehungsverhalten analysiert und ein paar nicht so charmante Eigenschaften an mir entdeckt.

Denn ich bin diejenige, die in Beziehungen eifersüchtig ist, wenn der Freund auf Facebook noch mit der Ex befreundet ist. Ich reagiere passiv-aggressiv in Streitsituationen und ich bin unterbewusst der Meinung, mein Partner müsse mir jeden Wunsch von den Augen ablesen. Jep, ich bin anstrengend und das weiß ich mittlerweile auch. Ich habe Macken, die durchaus schon zu Beziehungs-Enden geführt haben und ich arbeite hart daran, damit mir das nicht wieder passiert.

Die Sache ist die: Ein einzelner Mensch kann nicht die Verantwortung für eine andere Person, ihr gesamtes emotionales Setting, ihre Eigenheiten und ihr Verhalten übernehmen. In einer Beziehung muss auch ein Individualist mal zum Team-Player werden und offen für Veränderung und Kritik sein. Sonst funktioniert das nicht.

Kommunikation ist deshalb unglaublich wichtig. Aber man kann auch sehr viel in einer Beziehung kaputtreden. Vor allem dann, wenn man seine eigenen Probleme dem Partner umhängen möchte. Ich weiß mittlerweile, welche „Fehler“ ich in anderen Beziehungen gemacht habe und versuche, diese so gut wie möglich zu vermeiden.

Über Fehler, die in vielen Beziehungen gemacht werden und von denen ich auch einige gemacht habe:

 

Fehler #1: Anzunehmen, dass der andere genauso tickt wie man selber

„Du zeigst mir nie, dass du mich liebst“, „Ich bin dir nicht wichtig“, „Du sagst mir nie, was in dir vorgeht“, blablabla. Das sind Sätze, die vermutlich jeder schon mal gehört hat, der eher introvertiert ist und keinen Bock darauf hat, täglich zig Herzchen-Emojis zu verschicken.

Menschen, die diese Sätze sagen, wünschen sich, dass man ihnen auf ihre Art zeigt, dass man sie mag. Aber ist es nicht viel schöner, wenn einem der Partner auf seine Art beweist, wie wichtig man ihm ist? Zurücklehnen, entspannen: und einfach mal das genießen, was kommt, anstatt immer nur zu kritisieren, was nicht (oder anders) kommt.

Nur, weil man Dinge auf eine bestimmte Art und Weise empfindet, heißt das noch lange nicht, dass es dem Partner genau so geht. Den anderen anzuerkennen heißt auch, zu wissen und zu respektieren, wie er oder sie sich verhält und sich ausdrückt.

Fehler #2: Probleme herbeireden…

Da läuft eine Beziehung eigentlich super und voll entspannt. Und dann macht einen diese Ruhe plötzlich nervös: „So gut kann doch keine Beziehung laufen, irgendwas stimmt da nicht…“ Man begibt sich auf die Suche (… oft in Social Networks …) nach einem Problem und man wird auch garantiert eines finden.

Es gibt sicher viele Menschen, die mit Drama Queens und Kings super umgehen können. Aber alles hat ein Ende – auch der Geduldsfaden des gutmütigsten Partners. Deshalb sollte man sich vorab, bevor man sich in ein Drama hineinmanövriert, überlegen, ob es den Streit wirklich wert ist (Spoiler: Meistens ist es das nicht).

Ein Problem kreiert man meist aus Langeweile. Es wäre also besser, sich andere Hobbies zu suchen, statt dem Terrorisieren des Partners.

Fehler #3: … oder gar nicht reden

Wer schweigt, verliert. Ich bin der Meinung, dass man Probleme rechtzeitig ansprechen sollte, bevor sie die eigene Meinung über den Partner vergiften und man verbittert. Oft sind es einfach nur blöde Missverständnisse, die zu großen Streits führen. Ein einfaches „Damit hast du mich verletzt“ macht den Standpunkt klar und Problemlösung möglich. Außerdem kann man sich dann selber nicht vorwerfen, man hätte sich nicht ausreichend artikuliert.

Aber Aaaaachtung. Damit meine ich nicht, dass man den Partner ständig volltexten sollte. Kilometerlange WhatsApp-Nachrichten sind zwar manchmal eh okay, aber trotzdem eher selten. Es ist anstrengend, wenn ständig irgendetwas ist. Wenn es ein Problem gibt, dass dringend und ausführlich beredet werden muss, sollte man das immer persönlich machen. Alles andere führt zu weiteren Missverständnissen.

Fehler #4: Den anderen idealisieren

Verliebt sein ist eine Sache, den eigenen Selbstwert untergraben eine andere. Niemand ist perfekt, auch euer Partner nicht. Indem ihr jemanden idealisiert, stellt ihr ihn oder sie über euch selbst und das kann in extremem Ausmaß wirklich ungesund sein („Er/Sie ist viel zu gut für mich“). Eine Beziehung auf Augenhöhe sieht anders aus. Am eigenen Selbstwert sollte man immer arbeiten – nicht nur in oder für Beziehungen.

Fehler #5: Sex wird zur Nebensache

Aus eigener Erfahrung kann ich bei diesem Punkt zwar nicht sprechen, weil ich sehr viel wert auf die aktive Gestaltung meines Sexlebens lege. Aber ich höre immer wieder, dass Sex „irgendwann nicht mehr so wichtig ist“. Okay: Wenn man zehn Jahre zusammen ist, zwei kleine Kinder hat, schlaflose Nächte und Stress in der Arbeit, dann gibt es sexlose Phasen. Verständlich. Man hat auch nicht immer gleich viel Bock auf sexy time. Auch okay. Aber Sex ist Kommunikation und die ist wichtig für eine Beziehung. Sex für komplett unwichtig zu erklären, kann fatal enden.

Jedes Paar sollte für sich wissen, wann es mal wieder Zeit ist, den horizontalen Tango zu tanzen, statt in Joggingshose chipsessend auf der Couch abzuhängen (das kann man auch postkoital machen). Auch Leidenschaft will gepflegt werden. Und meistens braucht es keine superteure, sexy Unterwäsche, Kerzen und Rosenblüten: Es reicht, einfach anzufangen.

Fehler #6: Andere Menschen dazwischenfunken lassen

Das, was zwischen dir und deinem Partner passiert, geht nur dich und deinen Partner etwas an. Marathongespräche mit FreundInnen können zwar lustig sein, wer aber ständig mehr auf den (wahrscheinlich eh gut gemeinten) Rat der FreundInnen gibt als auf den eigenen Partner, der verspielt die Chance, ein starkes Team zu werden.

Fehler #7: Schlecht über den Partner reden

Die schlimmste Unart: Vor anderen über den eigenen Partner lästern. Das ist unfair und kindisch. Stattdessen sollte man in der Lage sein, Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen und mit dem Partner zu reden. Nur so löst man Konflikte wie Erwachsene.

Fehler #8: Den anderen einschränken und kontrollieren

Es war zwar nie meine Absicht, den anderen zu kontrollieren. Aber ich habe leider selber die Tendenz zum control freak und das finde ich massiv unsexy. Es fällt mir schwer, Vertrauen zu fassen – und genau das muss man auch kommunizieren. Mittlerweile schaffe ich es gut, mich aus meinen eigenen Gedankenspiralen zu befreien und unbegründete Eifersucht verrauchen zu lassen. Aber es war ein harter Weg und ich weiß, wie schwer es sein kann. Die Sache ist die: man hat es einfach nie völlig in der Hand. Wenn dein Partner keinen Bock mehr auf dich hat, dann gibt es absolut nichts, was du dagegen tun könntest. Es bringt also nichts, eine intakte Beziehung mit Eifersucht, Kontrolle und Zwang zu vergiften.

Ich kenne viele Mädels, die regelmäßig das Handy ihres Partners durchforsten, ihn per App orten, seine Freunde stalken. Zu solchen Mitteln würde ich nie greifen (und ich würde es auch niemandem raten) aber ich weiß selbst gut genug, dass man zu vielem fähig ist, wenn man in Rage ist.

Leidenschaft und Liebe brauchen manchmal Distanz, aber eben nie so viel, dass man sich ganz aus den Augen verliert. Eine Sache ist zumindest gewiss: An der „langen Leine“ kommt man viel lieber wieder zurück. Eine große Portion Entspanntheit trägt dazu auf jeden Fall bei.

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