Die 5 größten Verhütungs-Mythen: Was stimmt, was nicht?

Anzeige. Verhütung ist nicht gleich Verhütung: Vor allem in Sachen hormoneller Empfängnisverhütung gibt es viele Vorurteile und Mythen, die sich seit Jahren hartnäckig halten. Ein Überblick über die am weitesten verbreiteten Verhütungs-Mythen und was nun wirklich Sache ist

Vor einiger Zeit wurde ich von meinem Kooperationspartner Jenapharm zum #meineverhütung-Think Tank nach Köln eingeladen und habe sehr viel Neues über Verhütung lernen dürfen. Ein unabhängiger Gynäkologe hat uns Bloggerinnen vor Ort erklärt, wie Verhütungsmethoden wie zum Beispiel die Hormonspirale überhaupt wirken und mir wurde während dieses Workshops vor allem eines klar: Ich hatte so viele Vorurteile gegenüber allen hormonellen Verhütungsmethoden und bin Mythen aufgesessen, die medizinisch gesehen einfach nicht stimmen.

Ich habe ja bereits im letzten Artikel zum Thema hormonelle Verhütung darüber geschrieben, dass unsere Gesellschaft gerade von einer Hormonskepsis erfasst wird, die sachliche Dialoge beinahe unmöglich macht. An diesem Punkt möchte ich nun ansetzen. Ich bin ganz klar dafür, dass Nebenwirkungen offen und ehrlich – auch von Herstellerseite – besprochen werden. Aber wie ich gelernt habe, wirkt nicht jedes hormonelle Verhütungsmittel gleich. Es gibt Methoden, die den Hormonhaushalt der Frau weitgehend unbeeinflusst lassen und trotzdem sehr sicher sind. Sicherheit und Verträglichkeit müssen sich nicht ausschließen – frau muss nur herausfinden, welche Methode für sie die beste ist. Aus etlichen Unterhaltungen mit einigen meiner Leserinnen habe ich herausgehört, dass viele einfach Angst vor den Nebenwirkungen haben und das teilweise ganz zurecht. Von Hautproblemen über Gewichtszunahme zu Thrombosen: die Kombi-Pille ist schon ein echter Hammer und manche Frauen vertragen sie überhaupt nicht – aber manche eben sehr gut. Dass uns Mädchen (mir auch) schon frühzeitig die Pille verschrieben wurde, ohne die Alternativen überhaupt zu besprechen, finde ich deshalb immer noch fahrlässig.

Mir geht es in diesem Artikel darum, euch mit meinem Wissen ein bisschen bei der Entscheidung zu helfen, welche Verhütungsmethode am ehesten für euch infrage kommt. Deshalb habe ich fünf Verhütungs-Mythen für euch zusammengefasst, die zwar sehr weit verbreitet aber schlicht und ergreifend falsch sind.

Mythos #1: Die Pille wirkt genau wie die Hormonspirale

Falsch. Während die Hormone der Kombinationspille (bestehend aus Östrogen und Gestagen) systemisch im Gehirn – genauer gesagt an der Hypophyse – wirken, wirken die Hormone der Hormonspirale (auch Verhütungsschirmchen genannt) in der Gebärmutter verhütend.

Was passiert eigentlich, wenn man hormonell mit Spirale verhütet? Dazu muss ich kurz ausholen: Der Gebärmutterhals wird während deiner unfruchtbaren Tage von einem Schleimpfropf, dem sogenannten Zervixschleim, verschlossen und geschützt, damit keine Keime oder Bakterien eindringen können. Wenn die fruchtbaren Tage nahen, verflüssigt sich dieser Schleim. Dann können Spermien den Zervixschleim  durchdringen und die Frau kann schwanger werden. Manche Frauen erkennen das Verflüssigen des Zervixschleims daran, dass ihr Ausfluss dann sehr elastisch ist, klar und beinahe glasig aussieht. Gebildet wird der Zervixschleim durch Drüsen in der Gebärmutter, er besteht zum Großteil aus Wasser. Wenn eine Frau mit dem Verhütungsschirmchen verhütet, bleibt dieser Schleim aber fest und undurchlässig. Somit können keine Spermien eindringen und die Eizelle kann nicht befruchtet werden. Durch die direkte Freisetzung des Gelbkörperhormons (Levonorgestrel) in der Gebärmutter ist diese Verhütungsmethode eine der sichersten und hat einen Pearl-Index von unter 1, was bedeutet, dass nicht einmal eine von 100 Frauen in einem Jahr der Anwendung schwanger wird.

Was die meisten nicht wissen: Der natürliche Zyklus der Frau bleibt durch das Verhütungsschirmchen sehr wohl weitestgehend erhalten. Das körpereigene Östrogen und Progesteron, sowie LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikelstimulierendes Hormon), die beide den Monatszyklus stimulieren, werden nicht von der Wirkung des Verhütungsschirmchens beeinflusst. Im Gegensatz zu Verhütungsmethoden wie Pille, Pflaster und Ring: Die bügeln deinen Hormonhaushalt völlig flach, sodass es gar keinen natürlichen Zyklus gibt.

Vor allem Frauen, denen weitgehend hormonfreie Verhütung aber trotzdem ein hoher Schutz vor ungewollten Schwangerschaften wichtig ist, könnten von dieser Verhütungsmethode profitieren. Wichtig ist in jedem Fall, dass man sich eine/n GynäkologIn sucht, der regelmäßig Verhütungssschirmchen einsetzt und viel Erfahrung auf diesem Gebiet hat. Der Schmerzfaktor beim Einsetzen ist leider immer noch ein Grund, warum sich viele Frauen nicht trauen, die Spirale zu testen.

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Beim #meineverhütung-Think Tank in Köln erklärten uns der Hersteller Jenapharm und ein unabhängiger Gynäkologe wie unterschiedlich hormonelle Verhütungsmethoden funktionieren. Eine originalgetreue Abbildung eines Verhütungsschirmchens wurde uns auch gezeigt

Mythos #2: Die Kupferspirale ist für jede Frau geeignet

Auch das stimmt leider nicht und dabei hätte ich es so gehofft! Ich wollte mir nämlich die Kupferspirale ja einsetzen lassen, bin jetzt wirklich froh, es nicht getan zu haben. Kupferpräparate sind zwar tolle und aktuell wahnsinnig trendige Verhütungsmittel, aber gerade Frauen mit starken Regelbeschwerden sollten echt die Finger von Kupferpräparaten lassen! Blutungen und Schmerzen können, vor allem in den ersten Monaten nach dem Einsetzen, wirklich massiv werden.

Wenn es dir wichtig ist, dass deine Verhütungsmethode auch die Dauer und Stärke der Menstruationsbeschwerden lindert, dann bleiben „leider“ nur Hormone als Alternative. Ich weiß leider aus eigener Erfahrung, dass Menstruationsbeschwerden die Lebensqualität massiv beeinträchtigen können. Da helfen oft die stärksten Schmerzmittel nicht mehr. Wenn es euch ähnlich geht, solltet ihr auf jeden Fall auf Kupfermethoden verzichten und mit eurem Gynäkologen oder eurer Gynäkologin abklären, ob vielleicht eine Endometriose dahinter stecken könnte.

Mythos #3: Nur Frauen, die schon Kinder bekommen haben, können sich eine Spirale (z.B. Verhütungsschirmchen) setzen lassen

Falsch! Diese weit verbreitete Meinung stammt noch aus den Siebziger Jahren, als die damalige Spirale („Dalkon Shield“) ein zehnfüßiges Objekt war und wie ein Seeungeheuer aussah, das Frauen unter massiven Schmerzen eingepflanzt wurde und sich mit ihren zehn Armen im Uterus verkeilte. Autsch!

Außerdem bestand der Rückholfaden des Dalkon Shield aus verflochtenen Fäden, in die sich Bakterien ungehindert einnisten konnten. Teilweise tödliche Infektionen waren die Folge, weshalb der Dalkon Shield dann auch vom Markt genommen wurde.

Die Verhütungsschirmchen von heute (sie heißen deshalb „Schirmchen“ weil sie nur mehr von zwei zarten Ärmchen in der richtigen Position gehalten werden) sind  viel hochentwickelter und ihre Rückholfäden sind so glatt, dass Bakterien einfach abrutschen und sich nicht einnisten können. Ich hatte beim Workshop selber eine der neuesten Hormonspirale in der Hand und war überrascht, wie klein und „unschmerzvoll“ die aussah. Aber wie schon gesagt: Das Einsetzen einer Spirale ist immer noch kein Spaziergang, wie man immer wieder hört. „Geübte“ GynäkologInnen wissen aber, was sie tun.

Mein Tipp: Erkundigt euch am besten vorab und direkt bei eurem Arzt oder eurer Ärztin, wie viele Spiralen, Kupferpräparate etc. der/die GynäkologIn wöchentlich/monatlich setzt.

Mythos #4: Während der Stillzeit kann man nicht schwanger werden

Auch das stimmt nur bedingt. Bei Müttern, die nicht stillen, stellt sich die erste Menstruation nach etwa sechs Wochen wieder ein. Bei Müttern, die nach der Geburt viel stillen, verhindert das Stillen den Eisprung. Dieses Phänomen wird Laktationsamenorrhö genannt (was für ein Zungenbrecher!). Es zählt sogar zu den Methoden der natürlichen Empfängnisverhütung, ist aber nicht sehr empfehlenswert für all jene, die nicht sofort wieder schwanger werden möchten. Denn der Eisprung wird im Regelfall nur so lange verhindert, solange die Frau sehr viel und intensiv stillt – teilweise kann der Eisprung sogar länger als zwei Jahre ausbleiben, das ist aber eher selten der Fall. Man müsste wirklich die ganze Zeit stillen, um einen halbwegs sicheren Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft zu erzielen. Wenn nur kurz, zum Beispiel aufgrund einer Krankheit, weniger gestillt wird, kann die Fruchtbarkeit wiederkehren. Deshalb: Keine sichere Methode für alle, die es nicht darauf anlegen!

Mythos #5: Die Frau kann an höchstens zwei Tagen im Monat schwanger werden

Ein gefährlicher und weit verbreiteter Mythos: Dass Frauen nur während ihrer fruchtbaren Tage schwanger werden können, stimmt nämlich nur bedingt. Wer kurz vor dem Eisprung ungeschützten Geschlechtsverkehr hat, riskiert möglicherweise eine ungewollte Schwangerschaft. Denn Spermien können sich bis zu fünf Tagen (in Einzelfällen sogar bis zu sieben Tagen!) in der Gebärmutter halten und dort weiterleben, während sie quasi auf die „fertige“ Eizelle „warten“.

Einige meiner Leserinnen haben mir geschrieben, dass sie begeistert von NFP (Natürliche Familienplanung) sind – also Tagezählen, Temperaturmessen und genaue Aufzeichnungen über den Zyklus führen. Ich finde es super, wenn diese Methode für eine Frau funktioniert, aber ganz ehrlich: Wer nicht in einer fixen und vor allem treuen Partnerschaft lebt, bei der ein Babywunsch ohnehin ins Haus steht, für den ist diese Methode sicherlich nicht die optimalste. Mal ganz davon abgesehen, dass nur das Kondom vor Geschlechtskrankheiten schützt. Bei einem Zwei-Monats-Gspusi wird man also kaum mittels NFP verhüten wollen. Außerdem braucht es viel Zeit, bis man verlässliche Daten über den eigenen Körper gesammelt hat und den eigenen Zyklus ausnahmslos und perfekt kennt. Ich will NFP nicht schlechtreden, aber ich denke, man sollte sich sehr genau überlegen, ob man täglich wirklich so viel Zeit in das Messen und Kontrollieren des eigenen Körpers investieren kann und will.

Im Endeffekt ist aber das, was für jede Frau ganz individuell passt, die beste Lösung. Verhütung bedeutet Selbstbestimmung und Freiheit, die darf man sich als Frau auf keinen Fall nehmen lassen. Schon gar nicht in Zeiten, in denen an so vielen Orten dieser Welt über das Recht auf Abtreibung diskutiert wird.

Deshalb: Eigeninitiativ sein. Den/die ÄrztIn ausquetschen, immer genau nachfragen und vor allem wechseln, wenn man das Gefühl hat, der/die GynäkologIn interessiert sich nicht für die eigenen Anliegen! Es ist so wichtig, dass man sich in sicheren Händen fühlt und das Gefühl hat, der/die ExpertIn will nur das beste für die Frau. Wenn es irgendwie geht, rate ich euch, euch verschiedene Meinungen einzuholen. Natürlich kann auch die Recherche im Internet hilfreich sein aber es gibt leider so viele Bullshit-Pseudo-Öko-Websites, die euch hormonfreie Verhütung als das Nonplusultra verkaufen wollen aber Fakt ist eben, es gibt Vor- und Nachteile bei allen, wirklich allen, Verhütungsmethoden.

Und: Ihr müsst nichts aushalten! Wenn für euch eine Methode – ob es nun die Pille oder das Implantat, die Kupferspirale oder das Verhütungsschirmchen ist – nicht taugt und ihr Nebenwirkungen feststellt, die nach sechs Monaten immer noch extrem sind: Dann sofort weg damit. Ihr müsst nichts aushalten. Eure Gesundheit ist das Wichtigste: Ein Verhütungsmittel, das euch schadet, bringt euch nichts. Habt den Mut, mit ÄrztInnen zu sprechen und tretet auch an Pharmahersteller heran, wenn ihr Nebenwirkungen bei Produkten feststellt. Die Hersteller sind ja auch auf euer Feedback angewiesen, um ihre Produkte entwickeln und euch bessere und noch sichere Verhütungsmethoden anbieten zu können.

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