Warum vergleichen Frauen sich ständig mit anderen…?

Einfach mal Ich sein. Schluss mit dem ständigen Brain-Fuck. Schluss mit dem ständigen Vergleichen: Ihre Brüste sind größer, ihre Haare länger, ihr Körper dünner. Warum tun sich Frauen diese ständigen Vergleiche mit anderen an? Ein Erklärungsversuch.

Ich hatte vor ein paar Tagen ein langes Gespräch mit meinem Freund, bei dem wir uns über „gendertypisches“ Verhalten in Beziehungen unterhalten haben. Ein Aspekt unseres Gesprächs war, warum Frauen oft so unzufrieden mit sich selbst sind. Mein Freund hat einen Satz gesagt, der mir zu denken gegeben hat: Frauen vergleichen sich zu viel. So bitter es ist: Ich finde, das trifft es ziemlich genau auf den Punkt.

Ich kenne diese Gedanken, wenn man andere Frauen beobachtet, ihre Körper analysiert und jeden Unterschied auf sich bezieht. Interessanterweise mache ich das selber erst, seitdem ich mit jemandem zusammen bin. Davor konnte ich eine schöne Frau wahrnehmen, mich an ihrer Schönheit erfreuen, ohne mich mit ihr zu vergleichen. Warum ist das so – vor allem, wenn man eigentlich sehr entspannt in eine Beziehung gegangen ist?

Wie so oft bei diesen Dingen liegt der Ursprung dieser Gefühle in unserer Kindheit. Seitdem wir klein waren, hat man uns beigebracht, dass das Äußere einer Frau ihr Kapital ist. Wir haben gelernt, dass Frauen eher nach ihrem Aussehen statt nach ihren Fähigkeiten oder ihrem Charakter beurteilt werden. Ein Beispiel: Man nehme fünf männliche Politiker und eine Politikerin: Über wessen Optik wird man sich eher das Maul zerreißen? Über wessen Kleidung wird man eher reden, über wessen Haare, Falten, Körperfettanteil? Und was sagt das einem jungen Mädchen, das zufällig den Erwachsenengesprächen lauscht: Einem Mädchen, das die Welt durch Beobachtung und Nachahmung erst kennenlernt? Die Message ist eindeutig. Wie du aussiehst ist wichtiger als das, was du tust oder wer du bist. Wie du aussiehst entscheidet darüber, ob Männer dich mögen oder nicht. Und du willst gemocht werden, denn die Akzeptanz anderer ist wichtiger als dass du dich selber akzeptierst. Das bitterste Learning aus unserer Kindheit.

„Männer sind so einfach“, heißt es immer. Aber so einfach, dass eine einzige schöne Frau ihre Sinne dermaßen vernebelt und sie blindlings ihre Familie aufs Spiel setzen…? Diese Annahme ist herablassend und beleidigt jeden Mann in seiner Intelligenz. Zu glauben, dass ein Mann nicht zwischen einer schönen Optik und einer erfüllenden Beziehung abwägen kann, ist überheblich. Keine gesunde Beziehung wird gefährdet, nur, weil eine hübsche Frau den Raum betritt. Aber genau das wurde uns Frauen und Mädchen immer vermittelt: In TV-Serien, in Filmen, in Geschichten. Viele Frauen haben Misogynie so sehr verinnerlicht, dass sie sich nicht nur gegen andere Frauen richtet, sondern vor allem gegen sie selbst.

Eigentlich geht es gar nicht darum, wie schön eine andere Frau ist. Es geht darum, dass jungen Mädchen beigebracht wird, dass andere Frauen eine Gefahr sind. Wir müssen endlich umdenken. Der Vergleich mit anderen ist nichts anderes als ein Symptom für einen geringen Selbstwert. Indem man den Blick immer nach außen richtet, vergisst man sich selbst. Mal abgesehen davon, dass nichts schöner ist als Menschen, die ganz bei sich sind, geht es nicht einmal um äußere Schönheit. Sondern um die Schönheit in uns, die entdeckt werden will. Anstatt zu fragen, „Was findest du an dir schön?“ könnten wir doch fragen, „Was findest du in dir schön?“ Nun… Was findet ihr in euch schön?

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