Leben mit Endometriose

Fünf Jahre lang: „Sorry, ich kann leider nicht kommen. Ich habe meine Tage bekommen.“ Fünf Jahre lang mit starken Schmerzen in der Arbeit gesessen, weil man sowas vor männlichen Kollegen halt ungern sagt. Fünf Jahre lang von einem Gynäkologen zum nächsten gerannt. Fünf Jahre lang diverse Tipps angehört („Probieren Sie’s mal mit Akupunktur“) und auch befolgt (ergo € 1.500,– für Akupunktur ausgegeben). Fünf Jahre lang jeden Monat bis zu 7 Tage starke Schmerzen.
Und nie hätte mir auch nur ein/e einzige ÄrztIn geraten: Lassen Sie sich auf Endometriose untersuchen. Ich wollte das eigentlich nicht öffentlich machen – aber mir selbst haben die Erfahrungsberichte von anderen Frauen sehr geholfen, in den letzten Monaten. Denn im August habe ich nämlich das bestätigt bekommen, was ich längst vermutet hatte: Ich leide an dieser chronisch-degenerativen Erkrankung, die bei Frauen im gebärfähigen Alter sehr häufig auftritt und bei der Gebärmutterschleimhautzellen außerhalb der Gebärmutter wachsen.
Die Zellen können in Ovar, Nieren, Darm, Lunge oder sogar ins Gehirn wandern und bluten dann jeden Monat mit. Endometriose ist unter anderem der Hauptgrund für Unfruchtbarkeit, Regelbeschwerden und für Schmerzen beim Sex. Die genauen Ursachen sind nicht bekannt, eine völlige Heilung gibt es nicht.
Ich habe immer geglaubt, ÄrztInnen würden das beim Routinecheck am Ultraschall sicher deutlich sehen, aber nope. Seit dem Sommer ging‘s in meinem Kopf sehr chaotisch zu. Ich hatte einerseits Angst vor der Operation, Angst vor dem, was der Arzt finden würde, Angst, vielleicht keine Kinder bekommen zu können. Andererseits war ich erleichtert – weil ich nun die Gewissheit hatte, dass ich mir die Schmerzen nicht einbilde.
Letzten Dienstag war’s endlich so weit und ich wurde operiert. Alles ist gut verlaufen, der Endometriosenherd konnte entfernt werden, alle meine Organe funktionieren super. Ich bin jetzt quasi wieder „gesund“ und sehr gespannt, wie die nächsten Zyklen werden… Eins habe ich jedenfalls gelernt: Schmerz ist nie „normal“. Je früher man diese Scheiße behandelt, desto besser. Man muss das nicht aushalten und jeden Monat leiden.