Wie du endlich deinen eigenen Stil findest

Mit Mitte 20 hat man dann irgendwann jeden Style zumindest einmal durch: den Boho-Flowerpower-Look, den Rocker-Stil, die Hipster-Outfits. Aber was bleibt von dieser lebenslangen Suche nach dem „richtigen“ Stil?

Alte Fotos von sich anzusehen, ist schon irgendwie witzig. Aber auch traurig. Nicht nur der alten Zeiten wegen, aber meist auch wegen der unsäglichen Outfits. Während ich meine Jugendjahre stilecht in Jeans, Lederjacke und mit Nietengürtel verbracht habe (Avril 4ever!), erfasste mich irgendwann die „Mean Girls“-Welle und plötzlich waren gepflegte Nägel, weißer Kajal und Handtaschen, in die gerade mal der 2-Euro-Glitzer-Lipgloss passte, cool.

Auch mit Anfang 20 suchte ich noch nach dem „richtigen“ Look für mich: Während ich mir mit 22 Jahren sicher war, dass meine Persönlichkeit optisch durch Blumenkronen, Glitzer im Gesicht und luftige Sommerkleidchen à la Lana del Rey am besten zur Geltung kommt, packte mich mit Mitte 20 – so wie gefühlt jeden Mitzwanziger – das Hipster-Fieber.

Plötzlich identifizierte ich mich mit knöchellangen Jeans, Vintage-Bomberjacken und weißen Sneakers und wurde zur Haubenträgerin (sogar im Sommer). Aber weil Hauben im Sommer irgendwie nervig sind, mistete ich während der Quarantänezeit so ziemlich jedes einzelne Hipster-Teil in meinem Kleiderschrank aus und besann mich auf das, was von meiner Stil-Reise geblieben ist: grässliche Fotos und ein paar zeitlose Teile, denen ich schon seit Jahren treu bin. Wie zum Beispiel meinem heiß geliebten Kleid von Jacquemus, meiner schwarzen Levis-Jeans, meinem schwarzen Rollkragenpullover, meinen Disco-Accessoires.

Während und nach der Quarantäne ist mir nämlich vor allem eines aufgefallen: Ich will nicht mehr so viel Zeit mit Modetrends verbringen. Obwohl ich ein großer Fan von Design, Mode und von optisch verwöhnenden Social Media-Plattformen, wie Instagram und Pinterest, bin, habe ich aufgehört, jedem Modetrend hinterherzurennen. Chunky Sneaker sind jetzt voll angesagt? Schön, aber ohne mich. Kylie Jenner macht die Micro-Sonnenbrille zum heißesten Must-Have der Saison? Good for her, interessiert mich aber nicht. Bumbags werden immer noch schräg getragen? Toll, aber ich trage sie gar nicht.

Es hat beinahe etwas Befreiendes, Modetrends zu entsagen. Ich weiß mittlerweile, was mir steht und was nicht. Ich weiß, dass ich in taillenbetonten Blusen toll aussehe. Ich weiß, dass meine Figur durch smart geschnittene Anzüge perfekt zur Geltung kommt, dass ich mich in Slingpumps und flacheren Schuhen wohler fühle, als in hohen Absätzen, und dass mir Oversize-Klamotten gar nicht stehen. Mir gefallen ausgefallene Accessoires und hochwertige Designstücke, die eben nicht von jeder zweiten Influencerin promotet werden, und ich gehe auch gern mal ein Risiko ein – zum Beispiel, wenn ich ein weißes/cremeweißes Outfit als Komplettlook wähle.

Wenn ich meinen Stil beschreiben müsste, würde ich ihn als „French mit einem Hauch Disco-Glam“ bezeichnen. Mir gefällt die Nonchalance, mit der Französinnen und Franzosen ihre Kleidung tragen. Man hat das Gefühl, sie haben nicht 1000 Teile im Kleiderschrank, sondern eben ein paar ausgewählte, hochwertige Stücke, die sie vielseitig kombinieren. Das ist überhaupt der beste Tipp für das Finden des eigenen Stils: Ein Outfit in 10 Minuten für den ganzen Tag und den Abend zusammenstellen zu müssen und sich dann anzuschauen, wofür man sich entschieden hat. Ein Outfit darf gemütlich, tragbar und auch schlicht sein – Accessoires verleihen ihm dann den letzten Schliff und machen es zu jeder Tages- und Nachtzeit tragbar. Eine gut geschnittene Jeans, ein cooles Hemd, Pumps und extravagante Glitzerohrringe eignen sich nicht nur fürs Büro sondern auch für den After-Work-Cocktail. Ein Look, bestehend aus Cape, schwarzer Seidenstrumpfhose, Pumps und Barett lassen Erinnerungen an ein herbstliches Paris hochwellen. Und eine klassische schwarze Lederjacke mit Rollkragenpullover zur Jeans sieht einfach immer très chic aus.

Foto: Sonja Rosenitsch

Meine Inspirationen hole ich mir gerne über Social Media, auch, wenn ich kaum einer „klassischen“ Modebloggerin folge. Ich feiere die Looks von Adut Akech, Camille Rowe und Nicole Richie. Ich liebe Iris Apfel, Advanced Style und die typisch französischen Looks von Caroline de Maigret und Jeanne Damas. Social Media bietet so viele verschiedene Inspirationen für jeden Geschmack – und auch hier kann man sich ein bisschen inspirieren lassen: https://www.ladenzeile.at/inspiration/modewelt/

In erster Linie soll Mode gut kleiden und Spaß machen. Es spricht nichts dagegen, heute dieses und morgen jenes Teil cool zu finden. Mir ist mit zunehmendem Alter aber wichtig geworden, dass ich in Teile investiere, die ich langfristig tragen möchte. Deshalb shoppe ich nicht mehr jeden Monat sondern plane im Voraus, ob das Teil auch wirklich in meinen Kleiderschrank passt. Denn wie Iris Apfel schon sagte: Build a wardrobe that can travel with you for decades. Dieses Motto kann man sich definitiv zu Herzen nehmen.